Solidarité avec les étudiants québecoises - Solidarität mit den Studierenden in Québec

12 Jun

***english version below***

 

Seit einiger Zeit gehen in Montréal jeden Tag Tausende Menschen auf die Straßen. Sie protestieren gegen die stetige Erhöhung der ohnehin schon zu hohen Studiengebühren. So hat die liberale québecische Regierung im Jahre 2007 den Anstieg der Studiengebühren um 30% über fünf Jahre durchgesetzt und sich 2011 durch eine Erhöhung von 75% bis 2017 selbst übertroffen. Mit den Berechnungen kommt man dann für das Jahr 2017 auf stolze 2970 Euro, die Studierende pro Semester zahlen müssen. Dass viele Studierende dadurch zu einem Abbruch ihres Studiums gezwungen sind und gerade sozial benachteiligte Personen immer größere Schwierigkeiten haben werden, sich ihr Studium zu finanzieren, scheint das Bildungsministerium in Québec nicht zu kümmern.

 

Generalstreik

Am 13. Februar 2012 rief unter anderem das emanzipatorische Bündnis CLASSE zum Generalstreik auf. CLASSE ist eine Studierendenvertretung, die ihre Entscheidungen basisdemokratisch auf Vollversammlungen trifft. Ihnen angeschlossen haben sich die Gruppierungen FECQ und FEUQ. Außerdem werden sie von den größten québecischen Arbeiter_innenassoziationen unterstützt. Der Generalstreik dauert bis heute an und es beteiligten sich bisher mehr als 70% der Studierenden. Den vorläufigen Höhepunkt der Proteste bildete eine Demonstration am 22. März, zu der mehr als 200.000 Menschen kamen. Neben Großdemonstrationen und Aktionen des zivilen Ungehorsams finden auch künstlerische Protestformen statt. Seit dem Konfliktbeginn hat die québecische Regierung immer wieder unglaubliche Bedingungen für Gespräche gestellt und diverse Strategien angewandt, um die Studierendenverbände zu zersplittern, von der Delegitimierung der Studibewegung bis hin zu deren Kriminalisierung.

 

Bill 78“

Mitte Mai hat die québecische Regierung innerhalb von 24 Stunden ein neues Gesetz verabschiedet, das die Freiheit der Menschen in Québec erheblich einschränkt. Demonstrationen dürfen seitdem nicht näher als 50 Meter an Schulen oder Universitäten vorbeiführen, Personen, die nach polizeilicher Einschätzung andere Personen daran hindern eine Bildungsanstalt zu betreten oder an einer „illegalen Demonstration“ teilnehmen, bekommen eine Geldstrafe zwischen 1000 und 5000 Dollar, Studierendenföderationen oder die Mobilisierung zum Protest werden sogar mit bis zu 125.000 Dollar bestraft. Öffentliche Demonstrationen mit mehr als 50 Personen müssen bereits acht Stunden vor dem geplanten Beginn bei den Autoritäten angemeldet werden, inklusive der Demoroute, der Dauer und dem Beginn der Demonstration, sowie Nennung der Verkehrsmittel, mit denen die Teilnehmer_innen zur Demo kommen werden. Die Polizei darf diese Daten jederzeit ändern, sowie die Demonstration als Illegal erklären. Die Bildungsministerin betonte außerdem, dass das Tragen des roten Rechtecks, dem Symbol der Proteste, auch illegalisiert werden könnte. Die Legitimität für dieses antidemokratische Gesetz verschaffen sich die Zuständigen, indem sie betonen, dadurch die Krawalle beenden zu wollen. Dabei vergessen sie gänzlich, dass die Proteste nicht willkürlich und ohne Forderungen entstanden sind, sondern Reaktionen auf die Kommerzialisierung der Bildung in Québec waren. Durch dieses restriktive Gesetz wird das Versammlungsrecht extrem eingeschränkt und den Studierendenprotesten unverständlicherweise ihre Legitimität abgesprochen. Die Studierenden und anderen Protestierenden zeigten, dass sie sich das nicht gefallen lassen, indem sie den größten Akt Zivilen Ungehorsams in québecischer Geschichte folgen ließen. Zu Tausenden gingen sie auf die Straßen, um ihrem Unmut Luft zu machen.

 

Polizeiliche Repression

Seit Beginn der Proteste geht die Landespolizei von Québec sehr gewalttätig gegen die Demonstrierenden vor. Neben Angriffen durch Pfefferspray, Tränengas und Knüppeln, werden Gummigeschosse auf die Menschen abgefeuert, die zu großen Verletzungen führen, oder sogar tötlich sein können. Protestierende berichten von Blutergüssen, Platzwunden und Brüchen, die die polizeilichen Einsatzkräfte ihnen zugefügt haben. Es gibt Berichte von Personen, die nach einem Polizeieinsatz auf einer Demonstration ihr Auge verloren haben. Auch ein abgerissenes Ohr ist dokumentiert. Eine Person lag mehrere Tage im Koma. Dass sich die Demonstrierende diese Verletzungen selbst „aus Versehen“ auf den Demonstrationen zugefügt haben sollen, wie es manche rechte Medien in Québec darstellen und die Polizei selbst behauptet, ist eine dreiste Lüge und darf nicht akzeptiert werden. Die Polizeigewalt gegen friedliche und aktionistische Studierendenproteste in Québec ist zu verurteilen und muss aufhören!

 

Wir als Allgemeiner Studierendenausschuss der Freien Universität Berlin erklären uns solidarisch mit den protestierenden Studierenden und verurteilen das brutale Vorgehen der Polizei in Québec und die Ignoranz der dortigen Regierung! Es muss unbedingt auf die Forderungen der Studierenden eingegangen werden! Freie und kostenlose Bildung für alle! Gegen Elitenbildung und sozialen Ausschluss!

 

„Une manifestation nocturne jusqu’à la victoire!“

 

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Since several Weeks thousands of people take the streets in Montreal every night. They protest against the steady hike of the anyway too high student fees. The liberal government of Québec enforced a 30% hike of student fees in 2007 over five years and has now surpassed themselves with another hike of 75% until 2017. Adding everything up, a student has to pay proud 2970 Euro per semester. The ministry of education in Québec does not seem to care, that dozens of students are being forced to drop out of university and that especially socially disadvantaged people have increasing difficulties to finance their studies.

 

General strike

On February the 13th 2012 the emancipatory coalition CLASSE called for a general strike with other student unions. CLASSE is a student union that makes their decisions through direct democracy in general assemblies. The student unions FECQ and FEUQ are also on strike. In addition the biggest Worker Unions of Québec support the students. The general strike is still taking place today and until now more than 70% of the students take part in it. The temporarily peak of the protests was a demonstration on the 22nd March to which over 200,000 protesters came. Besides demonstrations and actions of civil disobedience there are also artistic performances taking place. Since the beginning of the conflict the government of Québec has set unbelievable terms for talks again and again and used various strategies to split the student unions. They reached from delegitimization of the protest to its criminalization.

 

 

 

Bill 78”

In the middle of May the government of Québec adopted a new law within 24 hours. This “bill 78” restricts the freedom of the people in Québec dramatically. Demonstrations are not allowed to be within 50 meters of schools or universities, individuals who- in the opinion of the police-hinder other people to enter a university or who take part in a “illegal demonstration” can get a fine between 1000 and 5000 Dollar, student unions or the mobilisation to protests will even be fined up to 125,00 Dollar. Public demonstrations with more than 50 people have to be announced with the authorities at least 8 hours prior. That includes the route, the duration and the starting time, as well as the mentioning of the means of transportation which the protesters might choose to come to the demonstration. The police has the authority to change any of these points as well as declaring the demonstration as illegal. The Ministry of education also emphasized that wearing the red square, the symbol of the protests, might be illegalized as well. The legitimacy for this antidemocratic law is suggested by the authorities by stressing that riots will end because of “Bill 78”. With that they conveniently forget that the protest did not start at random or without specific demands but as a reaction of commercializing education in Québec. Through this law the right of assembly is restricted extremely and the legitimacy of the student protests is taken away without any reason. The students and other protesters showed their dissent with the biggest act of civil disobedience in the history of Québec. With thousands they took the streets to express their discontent.

 

 

Police Repression

Since the start of the protests the police of Québec has been moving against the protesters brutally. Besides attacks with pepper spray, tear gas and sticks the police also shoots rubber bullets at people. They are widely known to lead to great injuries and can even lead to death. Protesters report about heamatoma, lacerations and broken bones, as the sad result of the police operations. There are accounts of persons loosing their eye after a police operation at a demonstration. A torn off ear is also documented. One person was in a coma for several days. Police and some right-winged media in Québec claim that those injuries where inflicted on themselves “by accident” in demonstrations. Those bold lies can not be accepted. The police brutality against peaceful and action-oriented student protests in Québec has to be condemned and needs to stop!

 

We as the student union of the “Freie Universität Berlin” declare our solidarity with the protesting students and condemn the brutality of the police of Québec and the ignorance of the local government! The demands of the students have to be heard! Free and graits education for all! Against the construction of elites and no social exclusion!

 

Une manifestation nocturne jusqu’à la victoire!“

 

 

 

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