Studienfinanzierung jenseits des Bafög

11 Feb

[Beitrag der Sozialberatung zum Sozialreader des AStA.]

Allgemeine Informationsquellen zu Geld & Co im Studium

  • Erste Anlaufstellen sind die Sozialberatungen der Asten; wenn sie nicht weiter wissen, dann können sie zumindest weiter vermitteln.

  • Umfangreicher Online-Wegweiser: www.studis-online.de

  • Auch das Berliner Studiwerk unterhält verschiedene Sozialberatungen und hat hier einige weiterführende Dokumente zusammen gestellt: http://www.studentenwerk-berlin.de/bub/dokumente/index.html

  • Sozialinfo des Referent_innenrats der HU: http://www.refrat.de/docs/beratung/sozinfo2012.pdf (Infos zu Bafög, Sozialleistungen, Krankenversicherung, Studieren mit Kind(ern), Jobs, Wohnen, Leistungen für behinderte Studis, Angebote für internationale Studis, etc.)

Lohnarbeit, Sozialversicherung, Studistatus

Die meisten Studis müssen arbeiten gehen, um sich zu finanzieren. Die negativen Auswirkungen auf die Studiendauer sowie die sich fortschreibende Privilegierung wohlhabender Bevölkerungsschichten liegen auf der Hand; eine für alle ausreichende Förderung ist politisch nicht gewollt, schreiben Sie ihrem Abgeordneten. Sehr wohl politisch gewollt ist es, den lokalen Arbeitsmärkten verbilligte Arbeitskräfte zuzuführen und damit u.a. die regulären Beschäftigungsverhältnisse unter Druck zu setzen; dies wird erreicht durch die Befreiung der Studierenden von der Sozialversicherungspflicht. Diese Befreiung greift, solange nicht mehr als 20 Stunden pro Woche gearbeitet wird (Ausnahmen gelten für Nacht- und Wochenendarbeit, Tätigkeiten während der Semesterferien sowie für befristete Jobs). Wird diese Grenze überschritten, so gilt mensch sozialrechtlich nicht mehr als Studi, sondern als normale Arbeitnehmerin und ist dementsprechend beitragspflichtig in der Krankenversicherung, Rentenversicherung, Pflegeversicherung und Arbeitslosenversicherung. Es ist unmöglich, in diesem kurzen Text das Thema Jobben und Studium umfassend zu behandeln. Wenn Zweifel bestehen, ob mensch „alles richtig gemacht hat“, empfiehlt sich ein Besuch in der Sozialberatung. Diese kann zumindest ein bisschen Licht in das Gewirr aus Studi-, Mini- und Midijob, vergütetem vs. unvergütetem Praktikum, Versicherungspflicht und -befreiung, Selbständigkeit und Scheinselbständigkeit, Honorar- und Werkvertrag usw. bringen.

Unerwartete Finanzierungslücken

Wer die heute üblichen drei Praktika, zwei Auslandsaufenthalte und die herausragende Forschungstätigkeit nicht in der Regelstudienzeit schafft oder wessen Bildungsweg nicht der angenommenen Norm (Abi mit 18, BA mit 21, Rente mit 67) entspricht, der drohen mit Eintritt gewisser Altersstufen verschiedene finanzielle Einbußen. Da hilft nur, die Finanzierung vorausschauend zu planen und auf den Wegfall von Vergünstigungen vorbereitet zu sein. Zur Erinnerung: Mit 25 endet der Anspruch auf Kindergeld, mit 30 fällt die Klappe bei der studentischen Krankenversicherung. Auch Unterhaltsansprüche gegenüber den Eltern bestehen nicht ewig, da hängt vieles vom Einzelfall ab. Und sollte das Bafög wegfallen, so gibt es so gut wie keine Möglichkeit, anderweitig an nennenswerte Unterstützung zu kommen.

Finanzierung in der Examenszeit

Gerade Leute, die ihr Studium mit Lohnarbeit finanzieren (müssen), haben in der Examensphase ein Problem: Eigentlich erfordert diese die volle Aufmerksamkeit und häufig stehen Termine und Abläufe fest; trotzdem will die Miete aufgebracht werden. Neben der Unterstützung durch Angehörige, den Freundeskreis oder durch die Aufnahme eines Darlehens besteht die Möglichkeit, unter bestimmten Bedingungen ein Darlehen vom Studentenwerk zu bekommen. Näheres in der dortigen Sozialberatung.

Außerdem gibt es einen Kniff, den viele nicht kennen, um an Kohle vom Jobcenter zu kommen: Das Berliner Hochschulgesetz regelt in §30 Satz 6, dass Prüfungsansprüche nach der Exmatrikulation bestehen bleiben. Daraus folgt, dass alle, die „scheinfrei“ sind, sich exmatrikulieren können und damit Anspruch auf ALG II haben. Eine Rücksprache mit dem jeweiligen Prüfungsbüro empfiehlt sich, um Missverständnissen vorzubeugen. Auch empfiehlt sich das Aufsuchen einer Sozialberatung, um Anfängerfehler beim Hartz-IV-Antrag zu vermeiden. Beispielsweise sollte aus der sogenannten „Eingliederungsvereinbarung“ hervorgehen, dass das Ziel der Betreuung durch das Jobcenter der Abschluss des Studiums ist. Ein möglicher Nachteil an der ganzen Sache ist, dass ALG-II-Empfängerinnen „dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen haben“. In aller Regel müssen Leute in der Abschlussphase allerdings keine Aufdringlichkeiten oder Repressalien seitens des Jobcenters erwarten.

„Hartz IV“ und „Mehrbedarfe“

Studierende, die einen „dem Grunde nach Bafög-förderungsfähigen Studiengang“ studieren, sind von Leistungen nach SGB II (Zweites Sozialgesetzbuch) – umgangssprachlich Hartz IV - ausgeschlossen. Entscheidend ist mithin nicht, ob tatsächlich Bafög bezogen wird, sondern ob eine Förderung prinzipiell möglich wäre. Möglich ist der Bezug von Arbeitslosengeld II während des Urlaubssemesters, im Teilzeitstudium oder im Promotionsstudium. Die zu berücksichtigenden Sachverhalte sind allerdings komplex, deswegen ist der Besuch einer Sozialberatung anzuraten. Ebenso bestehen möglicherweise Ansprüche auf Mehrbedarf für Alleinerziehende, Schwangere, Krankenkost und für „im Einzelfall unabweisbaren, laufenden, besonderen Bedarf“.

Stipendien

Ein weites Feld, es gibt hunderte Anbieter, die zum Teil sehr speziell zugeschnittene Stipendien vergeben. Die großen Generalisten sind: Friedrich-Ebert-Stiftung, SPD-nach; Rosa-Luxemburg-Stiftung, Linkspartei-nah; Heinrich-Böll-Stiftung, Grüne-nah; Friedrich-Naumann-Stiftung, FDP-nah; Konrad-Adenauer-Stiftung, CDU-nah; Hanns-Seidel-Stiftung, CSU-nah; Hans-Böckler-Stiftung, Gewerkschafts-nah; Evangelisches Studienwerk, protestantisch; Cusanuswerk Bischöfliche Studienstiftung, katholisch.

Darlehen des Studiwerks

Das Studiwerk vergibt unter bestimmten Umständen Darlehen. Insbesondere Leute, die ihr Studium durch eigene Erwerbsarbeit finanziert haben, haben die Chance auf Unterstützung. Auch kann das Studiwerk in unverschuldeten Notlagen und während der Abschlussphase helfen. Genaueres weiß die dortige Sozialberatung.

Wohngeld

Einen Antrag auf Wohngeld kann stellen, wer z.B. wegen Überschreitung der Altersgrenze kein Bafög mehr erhält. Das Wohngeld hat einen eigenartigen Status innerhalb der in Deutschland erbrachten Sozialleistungen. Und zwar muss mensch nachweisen, dass der Lebensunterhalt bereits bestritten werden kann, um anspruchsberechtigt zu sein. In der Praxis erwartet die Wohngeldbehörde den Nachweis von Einkünfte in Etwa in Höhe des ALG II-Regelsatzes von 382,- Euro zuzüglich der Krankenversicherungsbeiträge und 2/3 der Miete. Die letztlich bewilligte Höhe des Wohngeldes hängt ab von der Anzahl der Haushaltsmitglieder, der Höhe des Einkommens und der Miete. Die Antragsbearbeitung ist häufig extrem bürokratisch und kann sich über Monate hinziehen.

Kredite & Co

Die Entscheidung, Geld zu leihen, kann nur selbst gefällt werden. Aber gerade, wenn es um einen überschaubaren Zeitraum geht, kann die Kreditaufnahme ein gangbarer Weg sein. Aber Vorsicht: Begriffe wie „Bildungskredit“, Studienkredit“ etc. suggerieren, die sich dahinter verbergenden Vertragswerke seien speziell auf die Bedürfnisse von Studis zugeschnitten. Der Teufel steckt aber häufig im Detail, sprich im Kleingedruckten.

Rechtsberatung, Beratungshilfeschein, Prozesskostenhilfe

Die Berliner Asten bieten kostenfreie Rechtsberatung durch kompetente Anwält_innen an. In der Regel muss dazu ein Termin vereinbart werden. Darüber hinaus ist es für Leute mit geringem Einkommen möglich, beim Amtsgericht einen Beratungshilfeschein zu beantragen. Mit diesem werden die Kosten für ein erstes Beratungsgespräch durch einen Fachanwalt von der Staatskasse übernommen. Die Anwälte können (!) eine zusätzliche Gebühr von 10,- EUR erheben. Im Beratungsgespräch wird die Anwält_in das weitere Verfahren darlegen, also auch möglicherweise einen Antrag auf Prozesskostenhilfe vorbereiten.

  • Ob ein Anspruch auf einen Beratungshilfeschein bzw. Prozesskostenhilfe besteht, lässt sich hier überprüfen: http://www.pkh-rechner.de/

Semesterticket

Wer chronisch klamm ist, kann einen Zuschuss zum Semesterticket beantragen. Näheres weiß das für euch zuständige Semesterticketbüro.

Begrüßungsgeld und Zweitwohnsitzsteuer

Das Land Berlin zahlt Studierenden an Berliner Hochschulen, die ihre Hauptwohnung in Berlin angemeldet haben und zuvor eine Hauptwohnung in einem anderen Bundesland oder im Ausland angemeldet hatten, ein einmaliges Begrüßungsgeld von 50,- EUR. Zuständig ist das jeweilige Bürgeramt. ACHTUNG: Solltest Du woanders einen Zweitwohnsitz anmelden wollen, so fällt möglicherweise die Zweitwohnsitzsteuer an.

Rundfunkgebührenbeitrag

Seit 2013 kassiert die GEZ nicht mehr pro Empfangsgerät, sondern pro Wohnung. Heißt im Klartext: Sobald in einer Wohnung eine Person wohnt, die sich nicht von der Rundfunkbeträgen befreien lassen kann, wird der volle Betrag von 17,98 Euro pro Monat fällig, Studis können sich befreien lassen, wenn sie Bafög beziehen oder wenn sie eine Behinderung oder einen Härtefall geltend machen können.

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