Studieren ja, wohnen nein.

AStA FU

Zwei Monate nach Semesterbeginn sind immer noch zahlreiche Studierende ohne eigene Bleibe. Laut Bundesbauministerium fehlen aktuell 70.000 Unterkünfte, das Studentenwerk nennt wesentlich höhere Zahlen. Ohne politische Veränderungen wird sich die Situation im nächsten Jahr weiter verschärfen.

BERLIN. Auf dem ohnehin angespannten Wohnungsmarkt haben Studierende immer weniger Chancen. Viele Studienanfänger_innen wohnen nach unzähligen vergeblichen Bewerbungen in den ersten Monaten ihres Studiums provisorisch bei Bekannten, in Hostels oder in völlig überteuerten Wohnungen bzw. Ferienwohnungen. Auch langfristig wird es immer schwieriger, eine für Studierende bezahlbare Wohnung zu finden. Der Präsident des Deutschen Studentenwerks Dieter Timmermann geht davon aus, dass sich die Situation 2013 weiter verschärfen wird.

„Wenn das Land Berlin mit nach außen hin weiter mit seiner Weltoffenheit und seinen Universitäten werben will, dann muss hier dringend etwas passieren. Es kann nicht sein, dass letztlich die finanzielle Realität Einzelner darüber entscheidet, ob ein Studium an einer der Berliner Universitäten oder Fachhochschulen für sie möglich ist oder nicht“, sagt Philipp Bahrt, Sozialreferent des AStA FU. Allein ist Berlin mit diesem Problem allerdings bei weitem nicht. „Auch in vielen anderen Universitätsstädten verschärfen sich die Probleme Studierender bei der Wohnungssuche seit Jahren, ohne dass die Politik angemessen darauf reagiert“, sagt Anna Islentyeva aus dem Sozialreferat des AStA FU.

Bundesbauminister Ramsauer lehnt beim diesbezüglichen Runden Tisch im November die konkrete Forderung nach einem erneuten Bund-Länder-Programm mit einmaligen Zuschüssen zum Bau von bezahlbaren Wohnheimplätzen ab. Dagegen will er Vorschläge, wie etwa auch der Umbau von nicht mehr genutzten Kasernen am Stadtrand, bis zum Frühjahr prüfen lassen.

Trotz regem Widerstand, der von lokalen Initiativen und Aktivist_innen getragen wird und der Präsenz des Begriffes der Gentrifizierung, also der Stadtaufwertung durch Verdrängung, tut sich politisch wenig. Bundesregierung und Senatsverwaltung bleiben größtenteils untätig. Im ganzen Stadtgebiet fehlt es auch für Studierende an bezahlbarem Wohnraum. Allein die letzten 5 Jahre zeigen eine Mietpreissteigerung für Berlin von 27,6%. Statt neuen Wohnungen zu sozialverträglichen Preisen wird das Geld in sinnlose Großprojekte gesteckt.

Dabei fehlen nach Angaben der Bundesregierung bundesweit bis zu 70.000 Wohnungen allein für Studierende. Laut dem deutschen Studentenwerks gibt es bundesweit allerdings lediglich 230.000 subventionierte Wohnungen - bei 2,5 Millionen Studierenden. Dabei hat gut die Hälfte der Mieter weniger als den monatlichen Bafög-Höchstsatz von 670 Euro zur Verfügung. Das Problem ist also mit einigen zusätzlichen Wohnungen nicht gelöst. Vielmehr ist ein Eindämmen von Immobilienspekulationen und Gentrifizierung nötig, um die Entwicklung steigender Mieten grundsätzlich zurückzudrängen. Es wird davon ausgegangen, dass höchstens ein Drittel der leer stehenden Wohnungen in Berlin vermietet werden soll. Der andere Teil ist für Modernisierungen vorgesehen oder wird aus marktstrategischen Gründen einer Mietpreisoptimierung leer gehalten, besonders häufig in Innenstadtlagen.


 

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