Im Geiste der Zeit: Homo- und trans*feindliche Zensur an der Humboldt-Universität

AStA FU

Das Referat für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans* und Inter* des Referent_innenrats der HU Berlin, kurz LGBTI-Referat, hat derzeit Ärger mit dem Präsidium der HU: Dem Referat wird der hochschulpolitische Bezug abgesprochen, sowie aberkannt, dass es die Belange "nicht heterosexuell veranlagter Menschen" vertritt. Der Vorgang besitzt eine frappierende Ähnlichkeit zu den Entwicklungen der letzten Monate an der FU Berlin, im Rahmen derer diverse geplante studentische Veranstaltungen und Initiativen seitens des FU-Präsidiums nicht genehmigt oder behindert worden waren (http://www.astafu.de/content/fu-studierendenparlament-stellt-sich-geschlossen-gegen-politische-zensur-der-unileitung). Der AStA FU verurteilt das heterosexistische, homosexuellen- und transfeindliche, unreflektierte Vorgehen des HU-Präsidiums und fordert dieses dazu auf, seine Position diesbezüglich umgehend und deutlich zu revidieren.

Erst im Juli 2013 gründete sich das LGBTI-Referat der Verfassten Studierendenschaft der HU Berlin. Seit Oktober werden regelmäßig Veranstaltungen durchgeführt, welche die Selbstorganisierung,Weiterbildung, das Kennenlernen und die Vertretung der Interessen von LGBTI-Studierenden an der HU unterstützen sollen. Eine für den 09.11.2013 geplante Veranstaltung zu Grundlagen der Geschichte und politischer Dimension von BDSM wurde nun kurzerhand „bei allem Respekt vor allen friedlichen Vorlieben“ seitens des HU-Präsidiums nicht genehmigt. Für solcherlei Veranstaltungen könnten Universitätsräume nicht mietzinsfrei zur Verfügung gestellt werden. Themen wie Bondage oder Drag hätten nichts mit wissenschaftlicher Auseinandersetzung zu tun – eine These, der alleine die Gender Studies und einige durch den DFG geförderte Forschungsprojekte widersprechen.

Nach einer ausgedehnten Korrespondenz des RefRat der HU mit dem HU-Präsidium hieß es zuletzt von offizieller Stelle der HU, dass kein besonderes Interesse „nicht heterosexuell veranlagter Menschen“ an der Veranstaltung vorläge und sie deswegen nicht genehmigt werden könne. Auch bezüglich eines Drag-Workshops, der für den 14.12.2013 geplant ist, wurde nunmehr der „hochschulpolitische Gehalt“ bezweifelt. Schließlich erhielt der RefRat sogar noch außergewöhnliche und nicht nachvollziehbare sicherheitstechnische Auflagen für den LGBTI-Semestertresen am 14.11.2013 - einen Raum zum Kennenlernen und Vernetzen für LGBTI-Studierende.

Der RefRat der HU bemängelt in diesem Kontext neben dem grundsätzliche Unverständnis für das Vorgehen der Universitätsleitung auch, dass die gleichen Maßstäbe wie im vorliegenden Fall etwa bei der Raumnutzung von studentischen Rollenspielgruppen, einem Schachclub, dem eigenen Orchester der HU oder eines Gottesdienstes zur Semestereröffnung nicht angelegt werden. In der Tat scheinen hier deutliche Wertvorstellungen darüber wirkmächtig zu werden, was an einer Universität Platz findet und was nicht, was inkludiert oder exkludiert wird.

„Dass u.a. Referent_innen Räume entzogen werden und auf unterschiedlichen Wegen versucht wird, ihre Arbeit zu verhindern, ist weder an der HU noch an der FU oder an irgendeiner anderen Hochschule akzeptabel. Aquin, die für die HU zuständige Akkreditierungsagentur, sowie der Senat müssen reagieren, wenn sie ihre eigenen Vorgaben an die Universitäten, sich vermehrt für Gender- und Diversity-orientierte Projekte und Initiativen einzusetzen, nicht endgültig zu einem Lippenbekenntnis verkommen lassen wollen. Was im vorliegenden Fall passiert, erinnert doch sehr an die gezielte Diskriminierung gesellschaftlich marginalisierter Gruppen und spiegelt die zunehmende Tendenz an den Hochschulen, Abkehr von allem zu nehmen, was nicht dem wissenschaftlichen oder politischen Mainstream verkörpert. Diese Entwicklung ebnet den Weg in ein post-wissenschaftliches Universitätsverständnis und unterfüttert einen Zeitgeist der Intoleranz“, sagt Fiona Kalkstein, ehemalige Frauen*referentin des AStA FU.

Der RefRat der HU hat nun einen offenen Brief an die Leiterin des Präsidialbereichs und Beauftragte für Beschwerden nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz, Sandra Westerburg, geschrieben: http://www.refrat.de/article/news.offenerbrief.html?1384874975

Wenn ihr diesen Brief mit unterzeichnen wollt, schreibt an lgbti [at] refrat [dot] hu-berlin [dot] de.

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