Erneuter Skandal an der FU: nationalistische Konferenz im Henry-Ford-Bau

AStA FU

Am Samstag, den 24.11.2012 findet im Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin eine Veranstaltung unter dem Namen „Compact-Konferenz“ statt unter Leitung des Autors und Publizisten Jürgen Elsässer, der seine gleichnamige Zeitschrift zu bewerben sucht. Im Mittelpunkt der Konferenz steht dabei die Frage, wie Deutschland wieder souverän werden könne. Der AStA FU warnt vor antiamerikanischen, nationalistischen und kulturrassistischen Tendenzen.

Elsässer ist Gründer der sogenannten Volksinitiative gegen das Finanzkapital, welche die globale Wirtschaftskrise als imperialistischen Angriff des angloamerikanischen Finanzkapitals auf den Rest der Welt deutet. Hiergegen will die sog. Volksinitiative die Nationalstaaten, genauer Deutschland, in Stellung bringen, welche in der Abwehr dieses imperialistischen Angriffs die entscheidende Rolle spielten. Die NPD ließ über Holger Apfel ausrichten, Elsässer nähere sich nicht NPD-Positionen an, sondern vertrete sie, und verwies dabei auf ihr Parteiprogramm.

Der Ex-Linke Elsässer war Mitglied im Kommunistischen Bund, Redakteur der Konkret, kurzzeitig Chefredakteur der Jungen Welt, Mitgründer der jungle world und schrieb für die Bahamas, das Neue Deutschland und den Freitag. Alle genannten Zeitungen und Zeitschriften haben die Beschäftigungsverhältnisse mit Elsässer beendet.

Elsässer bezeichnete oppositionelle iranische Demonstranten als „Strichjungen des Finanzkapitals“, betrachtet die Terroranschläge des 11. September als „inside job“, verteidigt Buchthesen von Thilo Sarrazin und beschimpft die Mitglieder der russischen feministischen Band Pussy Riot als „Pussy-Muschis“. Im Jahr 2010 gründete er das Magazin Compact, zu dessen Vorstellung in Berlin ihm der Chefredakteur der Jungen Freiheit beistand – einem Magazin, das von Experten als Scharnier zwischen Rechtskonservativen und Rechtsradikalen angesehen wird.

Neben Elsässer tritt auch der Staatsrechtler Karl Albrecht Schachtschneider auf, welcher Vorträge u.a. bei der Neuen Rechten, bei der nach Meinung von Expert_innen rechtsextremen Bürgerbewegung Pro Köln, bei Burschenschaften und bei Leserkreisen der Jungen Freiheit gehalten hat.

Als weiterer prominenter Kopf der Rechten tritt Peter Scholl-Latour auf, der nicht nur keine Schwierigkeiten zu haben scheint, mit der Jungen Freiheit zusammenzuarbeiten, sondern sogar sein Konterfei als Aushängeschild der Zeitung zur Verfügung stellt. Auf der Verleihung eines Journalistenpreises für sein Lebenswerk schien er tatsächlich ein wenig stolz, von der Jungen Freiheit geehrt zu werden.

Im Umfeld der Konferenz wirkt auch Ken Jebsen mit, der aufgrund politischer Differenzen als Moderator des RBB gefeuert wurde. Jebsen machte mit kruden Vergleichen zwischen Holocaust und Nahost-Konflikt auf sich aufmerksam. Er äußerte weiterhin, der Antisemitismusvorwurf würde vorsätzlich eingesetzt, um Kritik an israelischer Politik unmöglich zu machen, und scheut nicht vor Begriffspaaren wie „zionistischer Rassismus“ zurück.

Dass die Souveränitätskonferenz zusätzlich im Henry-Ford-Bau der Uni stattfinden soll, ist leider ein besonders schönes Spiel der Ironie. So weisen kritische Studierende schon seit Jahren darauf hin, dass Henry-Ford als Publizist der antisemitischen Hetzschrift „The international jew“ Herausgeber von Nachdrucken der „Protokolle der Weisen von Zion“ ist und 1938 das „Großkreuz des deutschen Adlerordens“ von den Nazis bekommen hat. Seine guten Beziehungen zum faschistischen Deutschen Reich und seine antisemitischen Einstellungen geben ein recht schlechtes Bild für den Namensgeber einer Räumlichkeit der „demokratischen“ Freien Universität ab. Die nachgeschobene Stellungnahme der Uni, es handele sich bei dem Namensgeber um Henry-Ford-Junior (den Enkel) müsste alsbald in die Tat umgesetzt werden und der Schriftzug um ein „Junior“ ergänzt werden.

Antiamerikanismus und Nationalismus haben an der FU nichts zu suchen. Nach Bekanntwerden des Veranstaltungsinhalts hätte die Universitätsleitung die Raumzusage zurücknehmen müssen. Da in der Vergangenheit bei Veranstaltungen von Elsässer Neonazis geduldet wurden, ruft der AStA FU alle Studierenden zu erhöhter Wachsamkeit auf. Passt auf euch und eure Kommiliton_innen auf!

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