Deutsche Burschenschaft: Rechtsradikale bald unter sich

27 Nov

Am Sonntag ging die Sondertagung der Deutschen Burschenschaft in Stuttgart zu Ende, diese war nach dem vorläufigen Abbruch des Burschentages in Eisenach im Juni nötig geworden. In Stuttgart setzten sich nun erneut die ultra rechten Bünde durch und die Spaltung dürfte in den nächsten Tagen folgen.

Im Juni scheiterte die Abwahl Norbert Weidners als Schriftleiter der Burschenschaftlichen Blätter, der Verbandszeitung der DB. Dieser machte im Vorfeld dadurch von sich Reden, dass er die Hinrichtung des NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer als „juristisch gerechtfertigt“ und diesen als „Landesverräter“ bezeichnete. Die Person Norbert Weidner, selbst Mitglied der Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn, hat eine spannende Karriere innerhalb der extremen Rechten Deutschlands hinter sich. So war dieser u.a. Mitglied in der mittlerweile verbotenen Wiking-Jugend und der ebenfalls verbotenen Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP). Außerdem war er Mitglied im Vorstand der Hilfsgemeinschaft für nationale politische Gefangene (HNG) und saß im Wunsiedel-Komitee, das den jährlichen „Rudolf-Hess-Marsch“ veranstaltete. Die misslungene Abwahl Weidners, welche auf Antrag von sich selbst als „liberal“ bezeichneten Bünden geschah, führte zum Bruch beim Burschentag in Eisenach im Juni 2012 und zum Rücktritt der „liberalen“ Mitglieder aus dem Vorstand der DB. Dies machte den außerordentlichen Burschentag in Stuttgart erst nötig.

In Stuttgart sollte nun die drohende Spaltung der DB abgewandt werden, ein Vorhaben, welches wohl getrost als gescheitert betrachtet werden kann. So schreibt z.B. der Spiegel „In den kommenden Wochen werden die wenigen verbliebenen national-liberalen Bünde den gleichen Weg wählen wie bereits viele Burschenschaften vor ihnen - raus aus dem Dachverband, der nun vollends unter die Kontrolle völkisch-großdeutscher Phantasten gekommen ist.“1 Dass die Burschen in Stuttgart nicht von allen willkommen geheißen wurden, wurde bereits in der Nacht von Donnerstag auf Freitag deutlich, als Unbekannte einige Fensterscheiben des Tagungsortes zu Bruch gingen ließen. Das ganze Wochenende über bildete sich ein Bündnis aus emanzipatorischen feministischen und antifaschistischen Gruppen um gegen die Tagung zu protestieren und darauf aufmerksam zu machen, welche reaktionäre, antifeministische und völkisch-deutsche Auffassung die Korporierten der DB vertreten.

Mehrheitlich konnten sich die radikal-völkischen Burschenschaften mit ihren Anträgen durchsetzten. Norbert Weidner musste zwar sein Amt niederlegen, und wird in der Presse nun als „Bauernopfer“ bezeichnet, sein Nachfolger Michael Paulwitz ist aber mitnichten eine Verbesserung. Dieser veröffentlicht seit 2001 regelmäßig in der neu-rechten Zeitung Junge Freiheit, außerdem für das revanchistische Ostpreußenblatt bzw. die Preußische Allgemeine Zeitung, das neurechte Strategieblatt Sezession bzw. dessen Online-Format Sezession im Netz. Zur kritischen Berichterstattung linker Medien meinte er, diese würden „die Diffamierungstrommel“2 rühren. Paulwitz ist Assistent des Stuttgarter Stadtrats Rolf Schlierer, dem Vorsitzenden der rechten Republikaner-Partei. Außerdem war Paulwitz als Referent u.a. angekündigt bei der Jugendorganisation der Landsmannschaft Ostpreußen und dem „Bund Junges Ostpreußen“.3

Die Abgrenzung zur rechtsextremen Szene blieb in Stuttgart aus, so gilt zwar die Unvereinbarkeit von Mitgliedschaft in Burschenschaften für "nationalsozialistische" Vereinigungen - nicht aber für viele rechtsradikale Vereinigungen, die ebenfalls im Verfassungsschutzbericht auftauchen.

Beispiele für Verflechtungen mit der extremen Rechten sind leicht zu finden.

Spiegel Online berichtet u.a.:

 

  • Cornelius D. bis Ende 2011 als Conkneipant Mitglied der Razeeks zu Bonn. D. wurde Anfang März festgenommen und steht derzeit mit 25 weiteren Rechtsextremisten in Koblenz vor Gericht. Die Anklage wirft ihnen vor, einen Neonazi-Staat errichten zu wollen.

  • Die Burschenschaft Normannia Jena nutzte .für ihre Veranstaltungen jahrelang das "Braune Haus", das von Ralf Wohlleben angemietet wurde, gegen den die Bundesanwaltschaft wegen Beihilfe zum Mord im Zusammenhang mit der Zwickauer Terrorzelle Anklage erhoben hat.4

Fazit:

Die erneute Spaltung der DB wird sich wohl in den nächsten Tagen vollziehen. So meinte Christian Becker, Vertreter der „Initiative Burschenschaftliche Zukunft“, dass in der nächsten Woche bis zu 20 Bünde austreten könntent.5 Mit dem Austritt der national-liberalen Bünde, würde die DB entgültig zum rechten Kampfbund. Die DB bewies in Stuttgart einmal mehr, dass sie ein Sammelbecken völkischen Nationalismus, rechter Traditionen und eines dezidierten Antifeminismus ist. Wir freuen uns daher über die zahlreichen Proteste die gegen die Tagung stattgefunden haben, ob in Stuttgart direkt oder wie Sonntagabend mit einer Spontandemonstration in Marburg. Auch in Zukunft werden wir uns für die Auflösung dieser reaktionären Männerbunde einsetzten. Das jahrelange Engagement linker, antifaschistischer und antisexistsicher Aktivist_innen, hat innerhalb der letzten Jahre zu einer steigenden medialen Aufmerksam auf das Thema geführt und setzt die Burschenschafter weiter unter Druck. Unsere Kritik schließt dabei alle Verbindungen ein.

Wir wollen eine Uni abseits von Elitedenken, Geschichtsrevisionismus und männerbündischer Tradition.

Einen Ausführlichen Pressespiegel findet ihr hier:

 

publikative.org: Zwischen Testosteron und Tradition – Menstruation ist Mensurneid

Antifaschistisches Infoblatt:  Der »außerordentliche Burschentag« in Stuttgart

Lotta: Schwarz-rot-gold mit brauner Kappe

Tagesspiegel :Treffen in Stuttgart Burschenschaften streiten um „rechten Weg“

Spiegel:

Burschen, Bünde und Verbände

Burschenschafter im Scheidungskrieg

Rechtsextreme Burschenschafter Träumen von der Revolution

Sondertreffen in Stuttgart Rechtsextreme triumphieren beim Burschentag

Rechtsruck der Deutschen Burschenschaft Allianz der Verfassungsfeinde

taz: Sondertreffen der Burschenschaften Rechts schlägt konservativ

Stuttgarter Zeitung:

Blessuren vom rechten Rand

Protest gegen Burschenschaftertreffen

 

 

AStA FU / Internationalismus- und Antifaschismusreferat

1http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/weshalb-rechtsextremismus-in-burschenschaften-aufmerksamkeit-verdient-a-869194.html [Aufgerufen am 27.11.2012]

2http://www.taz.de/Sondertreffen-der-Burschenschaften/!106161/ [Aufgerufen am 27.11.2012]

3http://www.publikative.org/2012/11/26/zwischen-testosteron-und-tradition-menstruation-ist-mensurneid/ [Aufgerufen am 27.11.2012]

4http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/weshalb-rechtsextremismus-in-burschenschaften-aufmerksamkeit-verdient-a-869194.html [Aufgerufen am 27.11.2012]

5http://www.taz.de/Sondertreffen-der-Burschenschaften/!106161/ [Aufgerufen am 27.11.2012]

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