AStA FU verurteilt rechtes Schülerburschenschaftstreffen in Berlin

Internationalismus- und Antifaschismusreferat AStA FU

Am kommenden Wochenende vom 4. Juli bis 6. Juli soll, laut uns vorliegender Informationen, das Jahrestreffen des extrem rechten Dachverbandes der Schülerburschaften Allgemeiner Pennäler Ring (APR) in Berlin-Zehlendorf stattfinden. Der APR vereinigt über ein Dutzend Schülerburschenschaften, vorwiegend aus Norddeutschland und  ist bekannt für seine nationalistischen, sexistischen und antisemitischen Positionen.

Veranstaltungsort des Treffens sollen die Räumlichkeiten der Schülerburschenschaft Iuvenis Gothia in der Königstraße 3 in Zehlendorf sein. Unter gleicher Adresse ist auch die Berliner Studentenburschenschaft Gothia wohnhaft. Auf das Haus waren in den letzten Jahren immer wieder Vertreter rechter Gruppierungen zu Vorträgen eingeladen, so unter anderem der Schriftleiter der Burschenschaftlichen Blätter und Junge Freiheit-Autor Michael Paulwitz. Im Jahr 2006 gastierte die "kleine deutsche Kunstausstellung" in der Königstraße 3. Zu sehen waren Werke verschiedener NS-Künstler.

Als programmatische Grundlage veröffentlichte der APR 2005 ein „Geleitheft der konservativen Jugend - Identitätssuche, Pflichterfüllung und Rebellion“. Darin heißt es unter anderem im schwülstigen rechten Pathos:

„Jugend unseres Volkes! [... ] Erhebe dich aus den Trümmern unserer Zeit, befreie dich von allem, was dich peinigt – breite deine Flügel über unser ew‘ges Vaterland und benetze sie mit deinem Schweiß und Blute [...] ignoriere die Schwätzer und achte deine Führer!“

Wie die Deutsche Burschenschaft bekennt sich auch der 1990 gegründete Allgemeine Pennäler Ring zum Burschenschaftlichen Prinzip. Die Verbindungen zwischen den Verbänden sind eng. Auch bei den Schülerburschen wird eine so genannte Mensur gefochten. Dies geschieht jedoch anders als bei schlagenden Studentenverbindungen nicht im Kopfbereich, sondern mit stumpfen Säbeln auf den nackten Oberköper. Wer teilnehmen darf ist jedoch aufs Genauste geregelt: Als Mindestalter gelten 14 Jahre (!) und außerdem muss dem Schüler laut  "Allgemeinen Ehrenkodex" "die Waffenehre zu stehen". Geregelt ist diese im Waidhofner Abkommen aus dem 19. Jahrhundert, ein Abkommen das unter anderem beschloss Juden von den Duellen auszuschließen. So verkündet der  Originaltext wörtlich: „dem Juden auf keine Waffe mehr Genugtuung zu geben, da er deren unwürdig ist!“

Dass pennale Burschenschaften nicht unterschätzt werden sollten, zeigt die Karriere von Felix Menzel. Heute für verschiedene rechte Publikationen tätig, hat er zunächst in der Pennalen Burschenschaft Theodor Körner zu Chemnitz erste politische Erfahrungen gesammelt und später mit anderen Verbandsbrüdern das neu-rechte Zeitungsprojekt Blaue Narzisse gegründet. Im letzten Jahr präsentierten sich sowohl die Blaue Narzisse als auch der APR auf der rechten Medienmesse Zwischentag in Berlin. Ebenfalls vertreten war hier die Zeitschrift Sezession, der Verlag Edition Antaios von Götz Kubitschek, sowie Teile der Identitären aus Frankreich. Das Zwischentag-Treffen gilt als wichtige Vernetzungsmöglichkeit der intellektuellen Rechten.

Im Mai diesen Jahres wurde bekannt das am Primo Levi Gymnasium, trotz der Auszeichnung der Schule als "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" ein Autor der Blauen Narzisse und Mitglied der Burschenschaft Armina Berlin zum Stellvertretenden Schulsprecher gewählt wurde. Dieser machte unter anderem durch seine Beteiligung am christlich-fundamentlistischen "Marsch für das Leben" von sich reden und ergeht sich in seinen Artikeln schon einmal darüber, wer seiner Meinung nach deutsch ist und wer nicht.

Dass eine Mitgliedschaft in einer Burschenschaft jedoch nicht unbedingt immer karriereförderlich sein muss, bewies eindrucksvoll der ehemalige Berliner Staatssekretär für Soziales Michael Büge im letzen Jahr. Büge musste nach Bekanntwerden seiner Mitgliedschaft in der Berliner Burschenschaft Gothia sein Amt räumen. Seine ersten politischen Gehversuche machte auch er in einer Schülerburschenschaft: der Iuvenis Gothia.

Der Allgemeine Studierendenausschuss der FU Berlin verurteilt das Treffen der Schülerburschenschaften auf das Schärfste. Es gilt neben Studierenden, vorallem auch Schüler_innen und Lehrer_innen auf die Gefahr dieser Vereinigungen hinzuweisen um der Idee von freier Bildung und Lehrstätten, welche sich aktiv gegen Nationalismus, Sexismus und Rassismus engagieren näher zu kommen.

 

Kontakt: antifa_internationalismus [at] astafu [dot] de

weitere Infos:  Wo Schüler sich mit Säbeln schlagen , publikative.org 01.07.14

 

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