Aktivitas der Germania Berlin nun Teil der Deutschen Burschenschaft

Internationalismus- und Antifaschismusreferat AStA FU

[D]ie Aktivitas der Burschenschaft Germania Berlin wurden mit überwältigender Mehrheit in den Verband der Deutschen Burschenschaft aufgenommen. ´Damit´, so Sprecher Burkhard Mötz, ´ist eine kleine Trendwende in Sicht´.“

Dies verkündet die Deutsche Burschenschaft (DB) in ihrer aktuellen Presseerklärung zum Burschentag in Eisenach 2013. Fraglich ist, was die Burschen der Germania dazu bewegt, gerade jetzt in den Verband einzutreten. Zuletzt haben ca. 30 Bünde diesen verlassen. Die DB sieht sich in den letzten zwei Jahren verstärkt in der Kritik. Auslöser war der Streit um die Aufnahmekriterien des Verbandes, welcher in der Folge von der Presse als Diskussion um einen „Arierpass“ benannt wurde. Hier wurde das völkische Denken innerhalb der DB öffentlich. Hinzu kam 2012 die Diffamierung des Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer durch den damaligen Schriftleiter der Verbandszeitung. Dieser bezeichnete dessen Hinrichtung durch die Nazis als „juristisch […] gerechtfertigt“ und nannte ihn einen „Landesverräter“. Der Streit unter den Burschen ist dabei aber nicht, wie gern in den Medien dargestellt, ein Streit zwischen extrem rechten und liberalen Burschen, sondern eher zwischen nationalkonservative[n] und radikal-völkische[n] Burschenschaften1. Und so sind die ausgestiegenen Burschen schon fleißig dabei einen neuen Verband zu gründen.

Seit langem bekannt ist der völkische Männerbund DB für seinen dezidierten Antifeminismus. Frauen* werden von vornherein ausgeschlossen und dürfen höchsten als Begleitung an Veranstaltungen teilnehmen. Dabei verstehen sich gerade Burschenschaften als explizit politisch und zukünftige Führungseliten, durch ihre männerbündische Struktur schließen sie alle Nicht-Männer* von vornherein von politischen Entscheidungsprozessen aus und festigen somit patriarchale Strukturen in der Gesellschaft.

Dass eine Mitgliedschaft in einer DB-Burschenschaft allerdings nicht nur karrierefördernd sein kann, bewies in Berlin zuletzt Michael Büge (CDU) eindrucksvoll. Dieser musste nach einer langen Debatte im Parlament, seinen Posten als Staatssekretär für Soziales räumen. Büge ist Mitglied der Zehlendorfer Burschenschaft Gothia, welche seit Jahren durch Verbindungen ins Milieu der Neuen Rechten auf sich aufmerksam macht. So wurden wiederholt Referenten der „Jungen Freiheit“ in das Haus eingeladen und im letzten Jahr beteiligte man sich am sogenannten „Zwischentag“2, einer Medienmesse an der ausschließlich Publikationen der Neuen Rechten, wie beispielsweise das Strategieblatt Sezession, die Blaue Narzisse aber auch Gruppierungen wie die German Defense League oder das compact-Magazin um Jürgen Elsässer, teilnahmen.

 

Die Deutsche Burschenschaft in Berlin

Doch auch die anderen DB-Verbandsbrüder, welchen sich die Germania nun anschließt, machen in Berlin immer wieder durch Kontakte zur extremen Rechten auf sich aufmerksam. So richteten die Märker 2003 das Pressefest für die „Junge Freiheit“ aus.

Die Burschenschaft Arminia, als einzige vor Ort auch Teil der Burschenschaftichen Gemeinschaft, dem offen völkischen Flügel innerhalb der DB, kündigte im letzten Semester einen Burschenschaftlichen Abend zum Thema „Leben und Wirken Francisco Francos“ an.

Die Vereinigte Berliner Burschenschaft Thuringia warb 2004 für eine Informationsveranstaltung mit Prof. Dr. Bernd Rabehl. Der Alt-68er outete sich 1998 selbst als Rechter, als er vor der Münchener Burschenschaft Danubia einen Vortrag hielt und dort gegen „Überfremdung“ hetzte. Seitdem war er mehrfach Redner auf Veranstaltungen der NPD. Rahbel hatte lange Zeit einen Lehrauftrag am Otto Suhr Institut für Politikwissenschaft, die Leitung des Instituts versuchte 2005 Rahbel diesen zu entziehen. Eine Dokumentation zu Rahbel der FSI OSI findet sich hier: http://web.archive.org/web/20090507175541/http:/www.polwiss.fu-berlin.de/fsi/bernie/index.htm

In Berlin gehören der Deutschen Burschenschaft nun folgende Bünde an:

Berliner Burschenschaft Gothia, Berliner Burschenschaft der Märker, Vereinigte Berliner Burschenschaft Thuringia zu Berlin, Berliner Burschenschaft Arminia, sowie die Aktivitas der Burschenschaft Germania.

 

Unsere Kritik bleibt unversöhnlich

Sich in Burschenschaften zu organisieren, ist ein klares politisches Statement. Man propagiert ein antifeministisches Weltbild und entscheidet sich dafür, patriarchale Gesellschaftsstrukturen zu fördern. Als Ideal gilt den Burschen ein verzerrtes Bild des angeblich tugendhaften, soldatischen und, ganz wichtig, deutschen Mannes. Diese Kritikpunkte treffen sicher nicht erst jetzt auch auf die Aktivitas der Germania zu. Zum jetzigen Zeitpunkt jedoch in die DB einzutreten, kann nur als Provokation gegenüber allen emanzipatorisch engagierten Personen an den Hochschulen und Universitäten verstanden werden. Die DB weist auch in ihren Berliner Bünden immer wieder klare Überschneidungen zur extremen Rechten auf. Geschichtsrevisionistische, uniformierte Männerbünde mit ihren deutsch-nationalen Traditionen, werden wir auch weiterhin unsere unversöhnliche Kritik entgegensetzen. Welche „Trendwende“ durch den Eintritt der Germania in Sicht sein soll, ist uns nicht erkenntlich. Es ist weder davon auszugehen, dass die DB in Zukunft von ihrem Verständnis von Geschlecht, ihrem völkisch-rassistischen Denken oder ihrem plumpen Nationalismus Abstand nehmen wird. Auch was die Mitgliedsbünde angeht, wird es wohl in den nächsten Monaten noch zu weiteren Austritten kommen. So bleibt die verkündete „Trendwende“ wohl ein optimistischer Wunsch einiger Burschen, die um ihre Privilegien bangen. Wir werden unsere Kritik weiter formulieren, diese jedoch nicht allein an der DB festmachen. Wir kritisieren alle Verbindungstypen, da sie unserem Wunsch nach einer Universität für alle, die die eigene Rolle kritisch hinterfragt, entgegenstehen.

 

 

Für eine Uni ohne Männerbünde, Eliten und völkische Ideologien

 

 

Die Markierung mit dem *, benutzen wir, um deutlich zu machen, dass es sich bei den Bezeichnungen Mann* und Frau* um gesellschaftliche Konstrukte der Zweigeschlechtlichkeit handelt.

 

Kontakt: antifa_internationalismus [at] astafu [dot] de

 

1Vgl.: http://www.publikative.org/2012/11/26/zwischen-testosteron-und-tradition-menstruation-ist-mensurneid/

2Vgl.: http://www.blog.schattenbericht.de/2012/11/ein-zwischentag

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