Wenn sich "traditionell" dem Thema Hochschulpolitik genähert wird, dann orientiert sich dies an dem Muster, welches uns die Universitäten in ihrer Organisation und Verwaltung vorführen. Studentische Politik richtet sich an die PräsidentEn, die VerwaltungsleitEr, die DirektorEn und LehrstuhlinhaberInnen mit dem Ziel Verwaltungshandeln so zu beeinflußen, dass wir von ihm nicht ganz überrollt werden, so daß noch Luft zum Atmen bleibt.
Neben dieser Verwaltungsebene der Hochschulen, gibt es diese ebenso auf Länderebene mit den Kultusoder Wissenschaftsministerien. Selbst auf Bundesebene kann studentische Politik gemacht werden, mit den Parteien im Bundestag als Ansprechpartner. Das "Centrum für Hoschulentwicklung" (CHE), ein marktliberaler think tank der Bertelsmannstiftung, betreibt dies seit längerem recht erfolgreich. Der freie "zusammenschluß der studierendenschaften" (fzs) ist bei dem selben Versuch mit anderen Zielen weniger erfolgreich.
Studentische Politik findet ebenso statt im Asta und in den Fachschaftsinitiativen. Diese sind scheinbar originär studentische Betätigungsfelder. Ob die Asten in der Lage sind selber entscheidende Anstösse für studentische Politik zu geben, hängt zum einen von ihrer inneren Verfassung ab - so kommt es häufiger zu internen Streits um Gelder und den richtigen Weg zum richtigen Ziel -, und von den äußeren Umständen: wie hoch ist der Druck von Seiten der Universitätsleitung, wie hoch ist die studentische Unterstützung für den Asta und welche rechtlichen Knüppel werfen rechte Gruppierungen der studentischen Vertretung zwischen die Beine. Kann aber der Asta eine Politik betreiben, die sich nicht schon von ihrer Form her der etablierten angleicht?
Als Gruppen neben den Asten haben sich die schon seit Ende der 70er Jahre bestehenden Initiativen an den Instituten und Fachbereichen einen eigenen fast idyllischen Raum geschaffen. Ein überschaubarer Rahmen in dem persönlicher Kontakt ohne Schwierigkeiten möglich ist und die politische Mobilisierung doch so viel einfacher scheint. Die dort verhandelten Themen sind oft disziplinär spezifisch und beziehen sich zumeist auf den übersichtlichen Bereich des Fachbereichs. Kann aber eine solche Politik über den Rahmen des einzelnen Fachs und Instituts hinausgreifen? Wie kann sie die Verbindung zwischen dem Fachinteresse nach mehr Büchern, einer besseren Lehre für sich selber und allgemeineren darüber hinausreichenden Interessen z.B. nach einer neuen wissenschaftlichen und politischen Praxis wahren?
Die Versuche der Selbstaufklärung, der Etablierung eines studentischen Gedächtnisses in Form von Zeitschriften und Archiven, die Formulierung eigener Positionen entgegen der herrschenden Politik haben wenig Chancen und finden nur geringe Unterstützung. Studentische Politik scheint Konjunktur zu haben in Zeiten, in denen es drunter und drüber geht, in denen von außen wieder einmal eine Neuorientierung verlangt wird und sich die Studierendenschaft einmal mehr mobilisiert. Wie kann dies auf Dauer gestellt werden?
Die aktuellen Ereignisse schrecken uns immer wieder hoch, lassen uns wie aufgescheuchte Hühner herumflattern. Da sehen wir es nun, nun ist passiert was wir vorausgesehen haben und wie es schlimer nur schwerlich hätte kommen können. So ein Anlaß ist die Wahl Gaethgens 1999 zum Präsidenten der FU. Das größere Übel ist gewählt worden und es ist wahr, mit Gaethgens wird es schlimmer als mit Schwan. Aber das sollte nicht uns daran hindern uns eigene Gedanken zu machen, wie wir Politik betreiben möchten, sollte uns eben nicht zu nur reagierenden Masse werden lassen. Wie und wann kann sich politisches Handeln als politisches Leben realisieren? angesichts neuer Umstände, die wahrscheinlkich doch nur die alten sind. Wozu wir auffordern wollen, ist neue Handlungskonzepte auch im Bereich studentischer Politik zu entwerfen.
Berlin, im Frühjahr 1999
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