Als Ulrike Meinhof 1968 ihren Artikel "Die Frauen im SDS oder In eigener Sache" schrieb, in dem sie die Gründe für Tomatenwürfe auf SDS-Delegierte erläuterte, war die Linke noch ausschließlich antiimperialistisch und die Frauenbewegung differenzfeministisch. [1]
Seitdem sind 40 Jahre vergangen, im gesellschaftlichen Mainstream herrscht scheinbar Einigkeit darüber, dass "Frauen" [2] weitestgehend gleichberechtigt sind. An den Hochschulen gewinnt "Queer Theory" [3] zunehmend an Bedeutung für feministische Forschungen und sogar Mitglieder der Partei "Die Linke" distanzieren sich vom Antiimperialismus.
Gründe, Tomaten zu werfen, gibt es weiterhin und es lohnt, Meinhofs Artikel zu lesen, denn ihre Ausführungen sind auch vierzig Jahre später noch aktuell.
"Gender Mainstreaming" und "Frauenbeauftragte" sind Schlagworte, die in der Diskussion über Gleichstellung der "Frauen" an der Uni fallen. Statistiken sollen darüber hinaus die steigende Präsenz von "Frauen" an den Hochschulen – und ebenso in der Hochschulpolitik – beweisen.
Aber was heißt das Wort "Präsenz" in Zusammenhang mit "Frauen" in den hochschulpolitischen Institutionen überhaupt, über deren bloße Anwesenheit hinaus?
Je entscheidungsmächtiger das jeweilige universitäre Gremium, desto weniger "Frauen" finden sich dort. Präsenz von "Frauen" heißt vor allem, dass Menschen fernab der dekonstruktiven Ansätze in geisteswissenschaftlichen Seminaren immer noch und vor allem als "Männer" und "Frauen" präsent sind, dass den als solchen wahrgenommenen Geschlechtern immer noch Attribute zugewiesen oder abgesprochen und diese tagtäglich reproduziert werden und damit auch Sexismus in allen Varianten vorkommt – von grenzüberschreitendem Verhalten z.B. in Form von anzüglichen Bemerkungen bis hin zu Redeverhalten und Diskussionsverlauf.
Was in den Debatten über "Frauen" in der Hochschulpolitik gern ausgespart oder mit Phrasen wie "Ihr müsst doch einfach nur machen" quittiert wird, ist die Tatsache, dass es mit bloßer Anwesenheit eben nicht getan ist, dass sich Diskriminierung auf vielfältige Art und Weise und auf unterschiedlichen Ebenen zeigt, die meist nicht offensichtlich sind.
In diesem Zusammenhang lassen sich u.a. folgende Fragen stellen:
Was bewirkt die an die Mann-Frau-Dichotomie geknüpfte Unterteilung in "privat" und "politisch"? Wie werden "Frauen" in den Uni-Gremien wahrgenommen und welche Rolle wird ihnen, bewusst oder unbewusst, zugeschrieben? Welche Diskriminierungsmuster ergeben sich aus der Struktur der hochschulpolitischen Landschaft und der einzelnen Gremien? Welche Diskriminierungsformen ergeben sich aus dem Redeverhalten und dem Verlauf von Diskussionen in Gremien und generell?
Entgegen allen Behauptungen, denen mensch gerne im universitären Alltag begegnet, ist die Universität kein luftleerer Raum, sondern ein Teil der gesamtgesellschaftlichen Verhältnisse und spiegelt somit auch die Strukturen aus allen anderen Lebensbereichen wider – auch aus dem privaten Bereich. Der Slogan "Das Private ist politisch" ist eben nicht nur eine Floskel aus den 1960er Jahren, sondern birgt (immer noch) eine große Bedeutung.
Durch das heteronormative Geschlechterbild in unserer Gesellschaft wird mensch entweder als "Frau" oder "Mann" geboren und nimmt nach dieser dualen Geschlechtertrennung "weibliche" oder "männliche" Verhaltensweisen und Denkmuster an. Wird der "weibliche" Typus im Allgemeinen mit einer passiveren Rolle charakterisiert, d.h. "sie" steckt eher zurück, ist ruhiger und ordnet sich unter, so rückt der "männliche" Typus eher in den Mittelpunkt, ist vermeintlich durchsetzungsfähiger und aktiv in der Öffentlichkeit. Diese Stereotype findet mensch auch in Uni-Seminaren, z.B. bei Diskussionen. Angeblich ist "sie" nun einmal so ruhig und sagt lieber nicht so viel, hört lieber zu. "Sie" ist "weiblich" und und bringt "weibliche" Verhaltensweisen zum Ausdruck. Diese Problematik wird gern als eine individuelle oder persönliche betitelt – schließlich hätte "sie" ja etwas sagen können. Hier werden gern sozialisationsbedingte Faktoren ausgeblendet und die Wirkmächtigkeit zweidimensionaler Geschlechterbilder in der Gesellschaft vernachlässigt. Da die Geschlechtsidentität jedoch in allen gesellschaftlichen Bereichen des Lebens eine bestimmende Kategorie bildet, kann sie kein persönliches Problem darstellen, sondern ist immer ein politisches.
Durch die Trennung von privat und politisch wird Sexismus gern als ein Anhängsel betrachtet, das für den politischen Kampf und gleichberechtigten Umgang miteinander nicht relevant ist und somit in seiner grundlegenden Bedeutung abgewertet wird. "Das ist jetzt nicht Thema", und, "Wir müssen uns jetzt voll und ganz auf dieses eine Problem konzentrieren". So oder so ähnlich lief es auch im SDS, was Meinhoff durch ihren Artikel zum Tomatenwurf kritisierte.
Und heute? – Existieren die gleichen Probleme: 40 Jahre später gibt es noch immer Mackerstrukturen, diskriminierendes (Rede-) Verhalten und Scheuklappen-Aktivismus in Bezug auf Geschlechtsidentitäten.
Die Kritik richtet sich dabei einerseits an die institutionellen Strukturen der Hochschullandschaft (akademische und studentische Uni-Gremien) und andererseits an die Personen, die sich in diesen Strukturen bewegen – somit also auch an Studierende.
Ob nun in einer politischen (Basis-) Gruppe oder einfach im Zusammentreffen in Seminaren und Vorlesungen, legitimiert werden jedenfalls die, die am lautesten sind, am durchsetzungsfähigsten und sich den Herrschaftsstrukturen anpassen – ob nun "weiblich" oder "männlich". Damit ist und bleibt sexistische Diskriminierung kein privates Problem, sondern ein politisches und somit ein zur Öffentlichkeit gezwungenes. Das soll jedoch nicht heißen, dass Vergeschlechtlichung das einzige Moment ist, durch das Herrschaft ausgeübt wird.
Bilder von und Klischees über "Frauen" und "Männer" sind wirkmächtig – das macht sich auch und gerade in der (Hochschul-) Politik bemerkbar. Politische Kontexte bedeuten auch immer persönliche Begegnungen und damit einhergehend Kategorisierungen. Dabei werden gerade Aussagen und das Verhalten von "Frauen" auf sexistische Weise kontextualisiert.
Das kann zum Beispiel heißen, dass eine "Frau", die sich als Mutter zu erkennen gibt, das Label der "rührseligen Glucke" aufgedrückt bekommt, womit ihr implizit wiederum jede ("männlich" besetzte) Rationalität bei der Entscheidungsfindung abgesprochen wird. Umso schlimmer, dass "Frauen" diese Klischees häufig durch Sätze wie "Ich hab ja auch Kinder!", oder "Ich als Mutter finde ja, dass..." mit-reproduzieren.
Dem gegenüber steht das Bild der (kinderlosen) "Powerfrau", das assoziiert wird mit Begriffen wie "tough" und "durchsetzungsfähig" – aber eben auch "unweiblich", was immer das heißen soll. Dahinter steckt, dass politische Strukturen immer noch geprägt sind von als "männlich" gelesenem Verhalten.
Eine andere Wahrnehmung von "Frauen" im hochschulpolitischen Kontext – vor allem im studentischen – bezieht sich auf Beziehungsstrukturen, wobei davon ausgegangen wird, dass frau in heterosexuellen Beziehungen lebt. Dabei werden "Frauen" – und damit einhergehend auch ihre politische Arbeit – nicht getrennt von ihrer Rolle im sozialen Umfeld wahrgenommen. Das äußert sich auf verschiedene, jeweils sehr reduzierende Art und Weise, indem "Frauen" zum Beispiel in erster Linie als Freundin/Exfreundin/Affäre von so-und-so wahrgenommen werden, ihre Äußerungen im Kontext ihrer Beziehungen gesehen werden oder HoPo-Checker [4] verschiedene Orte und Strukturen auch gerne nutzen, um "Frauen kennen zu lernen", indem sie diese erst einmal mit ihrem immensen Wissen über Hochschulpolitik und die Lage der Welt im Allgemeinen beeindrucken. Des Öfteren sind auch die mitlaufenden Beziehungsgeflechte Grund für das Gefühl, als "Frau" nicht allzu viel Raum einnehmen zu können – etwa aufgrund von anwesenden und nicht ganz verarbeiteten Ex-Beziehungen, laufenden Beziehungen, in denen frau durch die überbordende Selbstsicherheit des Anderen verunsichert ist oder weil frau ja nicht "so unsexy emanzenhaft" wirken will.
Nicht zuletzt ist dies darauf zurück zu führen, dass "Frauen" nach wie vor stärker über ihr Aussehen und Erscheinungsbild wahrgenommen werden als Männer. Häufig wird zuerst die "Schönheit" einer "Frau" eingeschätzt und dann erst ihrem (politischen) Standpunkt Aufmerksamkeit geschenkt. Darüber hinaus sind an das Erscheinungsbild einer "Frau" wiederum Stereotype geknüpft. In diesem Zusammenhang finden sich Bilder und Bezeichnungen wie "Kampflesbe", "Emanze", "Vamp", "Mutterglucke" und was es dergleichen mehr gibt. Natürlich käme (fast) niemensch mehr auf die Idee, diese laut zu äußern – im kleineren Kreis aber werden diese Klischees nach wie vor bejubelt und zumindest als Bilder in den Köpfen sind sie stets präsent.
Das hat auch Auswirkungen auf die politische Arbeit, indem gerade gegenüber den in die Kategorie "Kampflesbe/Emanze" gepressten "Frauen" unterstellt wird, sie würden "jetzt aber wirklich ein bisschen übertreiben/ zu weit gehen/ überall nur noch Sexismus wittern". Dabei wird diese pauschalisierende Einschätzung weniger aus den Äußerungen, als vielmehr aus dem Aussehen, Auftreten und sozialen/politischen Kontext der Person gewonnen.
Dass "Frauen" noch immer anders wahrgenommen werden als "Männer" und welche Auswirkungen das hat, wird besonders in den diversen hochschulpolitischen Gremien deutlich.
Ein Blick auf die Sitzverteilung in den einzelnen Gremien der studentischen und akademischen Selbstverwaltung macht deutlich, dass, trotz steigenden Anteils von "Frauen", dennoch starke Unterschiede in ihrer Repräsentation zwischen den einzelnen Statusgruppen bestehen: So ist etwa in den studentischen Gremien Studierendenparlament und Allgemeiner Studierendenausschuss das rein zahlenmäßige Verhältnis zwischen "den" Geschlechtern recht ausgeglichen. Auch bei einem Blick auf die Listen der studentischen Vertreter_innen [5] in den Fachbereichsräten und darüber hinausgehenden akademischen Gremien (wie etwa im Akademischen Senat – AS, im erweiterten Akademischen Senat oder der Kommission für Lehrangelegenheiten – KfL) zeigt sich ein relatives Gleichgewicht. Dies gilt in ähnlichem Maße auch für die Akademischen und Sonstigen Mitarbeiter_innen. Ganz anders jedoch bei den Professor_innen: Obwohl momentan drei der vier FU-Vizepräsident_innen "weiblich" sind, trifft mensch im AS unter den Professor_innen gerade zwei "Frauen" an (von 13 professoralen Mitgliedern) und im erweiterten AS acht von einunddreißig. In sechs der zwölf Fachbereichsräte der FU sitzt keine einzige Professorin, in drei Fachbereichsräten ist es jeweils eine und auch in den anderen sind es nur unwesentlich mehr. [6] Aber auch bei den Studierenden finden wir nur ein "relatives Gleichgewicht", denn auch hier lässt sich ein Trend zur Überrepräsentation von Männern feststellen: Je wichtiger das Gremium, desto mehr Männer finden wir unter den Vertreter_innen.
Zwar sind sowohl in Gremien der studentischen als auch der akademischen Selbstverwaltung zunehmend "Frauen" anzutreffen, doch sagt dies bei Weitem nichts über Machtverhältnisse und die Beteiligung dieser bei der Entscheidungsfindung innerhalb selbiger Gremien aus. Denn dank eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts von 1973 wird Hochschulpolitik noch immer von professoralen Mehrheiten bestimmt, also im Normalfall weiterhin: weißen heterosexuellen "Männern". Dass diese im Regelfall eher ihre eigenen, auf Erhaltung ihrer professoralen Privilegien ausgerichteten Interessen verfolgen, dürfte niemensch wundern.
Natürlich ist es eine Illusion zu erwarten, dass sich an Geschlechterverhältnissen innerhalb der Universität etwas ändert, nur weil mehr "Frauen" in Gremien sitzen – "Frauen" sind schließlich keinen besseren Menschen und nicht jede ist Feministin. Vor allem aber "kann" und "will" nicht jede sich "durchsetzen". Denn hierin besteht das eigentliche Problem der Repräsentation von "Frauen" in hochschulpolitischen Gremien: Nur wer sich gegenüber der "männlich" dominierten Mehrheit behauptet, sich "durchsetzt", sich "wie ein Mann verhält", laut, selbstsicher und dominant, hat unter Umständen die Chance, ernst genommen zu werden. Es geht also viel weniger um zahlenmäßiges Gleich- oder Ungleichverhältnis, als vielmehr um den Umgang miteinander, in dem sich strukturelle Ungleichheiten weiterhin reproduzieren.
Eine Anekdote aus einem Institutsrat mag dies sehr anschaulich verdeutlichen: Die Vertreterin des Mittelbaus, eine von zwei gewählten "Frauen" in diesem Gremium, versucht auf eher dezente und zurückhaltende Art und Weise ihren Standpunkt deutlich zu machen. Sofort fallen ihr drei der anwesenden Professoren mit raumgreifender Gestik und gewichtiger Miene ins Wort. Statt mit Tomaten zu werfen, schweigt sie, schaut schüchtern zu Boden und verliert im Verlaufe der Sitzung kein einziges Wort mehr.
Dass neben Geschlechterhierarchien in akademischen Gremien auch noch die starke Hierarchisierung zwischen den einzelnen Statusgruppen tritt (bei der zusätzlich Kategorien wie Alter, race [7], körperliche Beeinträchtigung, Sexualität sowie die vielfältigen bestehenden Abhängigkeitsverhältnisse eine nicht unerhebliche Rolle spielen), macht es zum Beispiel für die einzelne Studentin oder wissenschaftliche Mitarbeiterin noch schwieriger als für die Professorin, gehört zu werden und ihre Interessen zu vertreten. Auch wenn es sich bei dem eben beschriebenen Beispiel um einen Extremfall handeln dürfte, hilft es dennoch zu verstehen, warum frau häufig gar nicht erst in Gremien aktiv werden will.
Doch diskriminierendes Redeverhalten finden wir nach wie vor nicht nur in den Gremien der akademischen Selbstverwaltung, sondern auch in studentischen Gremien und Gruppen oder in Seminaren.
Auch studentische Räume sind durch Rede- und Diskussionsverhalten gemäß geschlechtsspezifischer Dominanzen strukturiert. Nicht zuletzt in hochschulpolitischen Kontexten, aber auch in basisdemokratischen Aktionsgruppen, studentischen Vollversammlungen und ordinären Uni-Seminaren befinden sich Diskussionsverlauf und Redeverhalten oft fernab von einer Idee herrschaftsfreier Gesprächssituationen.
Zur Planung studentischer Aktionen bedarf es vor allem in Aktionsgruppen und Vollversammlungen meist ausschweifender Diskussionen. Oft werden diese durch einige – auffallend häufig "männliche" – Personen dominiert. Sei es mit langen, ausufernden, lauten, imposanten Redebeiträgen, Theorie-Rumgecheckere, bevormundenden Gesten oder offen sexistischer Attitüde: Der Sichtweise dieser Personen wird im hierarchisch geordneten Raum mehr Gewicht und Anerkennung zuteil. D.h. einige wenige – meist "Männliche" – kommen überhaupt hörbar zu Wort, bestimmen den Gesprächsinhalt und dominieren den Entscheidungsprozess. Damit werden andere vom Diskussionsprozess, an dem sie sich eigentlich bewusst beteiligen wollen, ausgeschlossen. Nicht nur das – durch Sozialisation erlernte – Verhalten "weiblicher" Personen, sondern auch deren Position im Gespräch führen dabei zur Unterbindung, Nichtwahrnehmung oder Geringbewertung ihrer Beiträge im Diskussionsverlauf.
Thematisiert mensch dieses Missverhältnis in der Diskussionsstruktur, wird nicht selten mit Unverständnis: "Aber es hat sich doch gar keine Frau gemeldet", Ablehnung: "Das ist hier doch gar nicht das Thema", oder rechtfertigender Empörung: "Wir sind doch nicht sexistisch" reagiert. Gelegentlich lautet der Vorwurf dann auch, mensch vertrete einen "überzogenen feministischen Standpunkt". Selbst das Einfordern von Redelisten zur Gleichverteilung von Redeanteilen wird im günstigsten Fall als diskussionshemmend oder als "Nebenwiderspruch" abgelehnt. Dabei zeigt sich auch 2008 eine hartnäckige Resistenz gegenüber der Frage nach den selben geschlechtsspezifischen Herrschaftsverhältnissen, die bereits 1968 im SDS mit Tomatenwürfen quittiert wurden.
Gerade in gewöhnlichen Uni-Seminaren gestaltet sich der Diskussionsverlauf selten ohne Dominanzen und relativ eindeutige hierarchische Strukturen zwischen den "männlichen" und "weiblichen" Teilnehmenden. Hier kommt durch die spezielle Gesprächsituation des leistungsorientierten Wissenswettbewerbs eine geringe Interventionsmöglichkeit hinzu. Einwände gegen sexistisches Redeverhalten müssen nicht nur gegenüber den Dozierenden vorgebracht werden, sondern werden auch als unwissenschaftlich abgetan. Nicht selten wird die Forderung nach Redelisten zur Abstimmung gestellt und dabei der Umstand eines hierarchisch strukturierten Raumes völlig übersehen. Ablehnung erfährt ein solcher Vorschlag nicht selten vermittels einer Mehrheit "männlicher" Studierender, oder aufgrund deren lautstarken Protestes. Manchmal sind diese Abwehrtendenzen sogar noch stärker ausgeprägt: Der Verweis auf einen sexistischen Sprachgebrauch kann da schon mal zum Vorwurf, "political correctness" sei ja auch nur Faschismus, führen. Abgesehen von der damit verbundenen geschichtsrevisionistischen Perspektive, werden so von Geschlechterhierarchien Diskriminierte als Angreifer_innen dargestellt und so die Unfähigkeit der Auseinandersetzung mit der eigenen Position verdeutlicht.
Generell zeigt sich dieser Mangel an Reflexion inner- wie außerhalb des universitären Kontextes noch derart häufig, dass die von Ulrike Meinhof geforderten Güterzüge von Tomaten sicher auch 2008 schnell verfeuert wären.
| [1] | Als "Differenzfeminismus" wird eine vor allem in den Achtzigerjahren in der Auseinandersetzung um die Frage, ob "Männer" und "Frauen" gleich oder grundsätzlich verschieden seien, auftretende feministische Strömung bezeichnet, die sich auf die Seite einer biologischen bzw. sozialen Differenz zwischen den Geschlechtern positioniert. Vgl. z.Bsp. Kerner (2004). |
| [2] | Wir werden im folgenden die Begriffe "Frau" bzw. "Mann" in Anführungszeichen verwenden, da wir davon ausgehen, dass sowohl biologische, als auch soziale Aspekte dieser Kategorien konstruiert sind, Menschen aber dennoch weiterhin an Hand dieser binären Ordnung wahrgenommen werden. |
| [3] | "Queer Theory" bezeichnet eine Vielzahl theoretischer Strömungen, die u.a. die Einteilung von Menschen in zwei Geschlechterkategorien grundlegend ablehnt. Vgl. z. Bsp. Hark (2005) und Jagose (2001) |
| [4] | "HoPo" steht für "Hochschulpolitik". |
| [5] | Mit dieser Schreibweise wollen wir neben "Frauen" und "Männern" auch Menschen einschließen, die sich nicht auf eine der beiden Geschlechterkategorien festlegen lassen wollen oder können. |
| [6] | Diese Zahlen beziehen sich auf die gewählten Vertreter_innen. In einzelnen Sitzungen können also durchaus mehr "Frauen" anzutreffen sein, wobei sich dennoch die Frage stellt, warum mehr "Männer" als "Frauen" gewählt werden. |
| [7] | Hier wird der englischsprachige Begriff "race" verwendet, der im Deutschen keine unproblematische Entsprechung hat. Auch hier wird davon ausgegangen, dass es sich um soziale konstruierte Kategorisierungen handelt. |