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Politik an der Hochschule statt Hochschulpolitik?
Autonome Seminare als möglicher Ort, Widerstand zu entwickeln


Der Kampf gegen das Berliner Hochschulgesetz (BerlHG) und sein Scheitern hat einmal mehr gezeigt, wie wenig relevant linke studentische Politik auf der institutionellen Ebene zur Zeit ist. Hochschul-politik im herkömmlichen Sinne, das heißt heute, der rechten Hoch-schulformierung allenfalls verzögernd entgegentreten zu können. Es ist nicht möglich, eigene Vorstellungen von Hochschule geltend zu machen.

Statt Hochschulpolitik also Politik an der Hochschule? Es soll hier nicht einem Rückzug aus den politischen Zusammenhängen an der Universität das Wort geredet werden. Die Hochschule ist und bleibt ein Ort, an dem sich die ökonomische und politische Herrschaftsstruktur der BRD reproduziert. Die Hochschule muß daher notwendigerweise auch Ort des Widerstandes sein. Widerstand kann sich vielmehr nur aus eigenem Bewußtsein – von Hochschule, der eigenen Funktion des herrschenden Wissenschaftsbegriffs, etc. – entwickeln, mit dem Ziel, gerade auch die herrschenden Strukturen von Hochschule gemeinsam aufzubrechen.

Mittlerweile geht es darum, sich darüber Gedanken zu machen, inwieweit autonome, selbstverwaltete Seminare Ort des Widerstandes an der Uni sein könnten. In herkömmlichen Seminaren werden nicht nur (zumeist) herrschende Inhalte vermittelt, sondern auch Inhalte in einer ganz bestimmten Form. Leistungsdruck, Konkurrenz, Imponiergehabe, Labern sind einige Stichworte, mit denen jedeR sicher etwas anfangen kann und die einen gemeinsamen Nenner haben: den herrschenden Begriff von Wissenschaft. Ziel ist eben nicht die kritische Auseinandersetzung mit dem Fach und der eigenen Rolle innerhalb dieses Faches. Ziel ist vielmehr die distanzierte, scheinbar standpunktlose Beobachtung irgendwelcher Vorgänge, die mit der gesellschaftlichen Realität und deren Problemen nichts zu tun hat. Wer ständig auf diesen Begriff von Wissenschaft konditioniert wird, dem fällt es schwer, die eigene Funktion in diesem Zusammenhang kritisch zu hinterfragen.

Begreift man all dieses, was unausgesprochen hinter der herkömmlichen Form, bzw. der Struktur von Lehre und Lernen steht, als 'heimlichen Lehrplan', so ist zu fragen, welche anderen Strukturen von Wissensaneignung und Wissensvermittlung der 'notwendige' Lehrplan notwendig macht. Es kann ja nicht nur darum gehen, fortschrittliche Inhalte im alten Gewande abzuhandeln – damit ist der Praxisbezug noch lange nicht gegeben – es muß auch darum gehen, andere, emanzipatorische Formen zu entwickeln und umzusetzen.

In wie weit nun können autonome selbstverwaltete Seminare solches leisten? Hier können die verschiedensten Kriterien untersucht werden, doch was bleibt, ist das Problem, unter all diesen Kriterien einen Zugriff auf eben diese entscheidende Frage zu finden. Ein möglicher Ansatzpunkt in diesem Zusammenhang ist die Frage des Verhältnisses zwischen Vorbereitungsgruppe und TeilnehmerInnen. Allein dadurch, daß irgendwelche Studis ein Seminar vorbereiten und dann die TeilnehmerInnen mit dem Konzept konfrontieren, ist noch keine andere Struktur entwickelt. Voraussetzung für eine solche Struktur ist vielmehr die Aufhebung der Trennung zwischen einer Vorbereitungsgruppe und dem TeilnehmerInnenkreis zugunsten einer allgemeinen Verantwortung jede/s/r einzelnen für Inhalt und Ablauf eines solchen Seminars. Die möglichen endlosen Strukturdiskussionen, die ein solches Seminarverständnis mit sich bringen kann, sind nicht unbedingt ein Problem; sie spiegeln vielmehr den schwierigen Prozeß des Zugriffs auf einen Themenbereich wieder, und gerade dieser Zugriff sollte dem Plenum, weil er eben entscheidend ist, nicht abgenommen werden.

Was uns für dieses Projekt sehr wichtig ist, ist von euren Erfahrungen zu hören, seien es nun solche mit autonomen Seminaren, oder auch mit der Unzufriedenheit in herkömmlichen Lehrveranstaltungen. Das Projekt steht und fällt mit der Beteiligung aus den Fachbereichen und mit Leuten, die bereits mit autonomen Seminaren Erfahrungen gemacht haben. Diese breite Beteiligung gibt es noch nicht. Deshalb der Appell, wenn es euch interessiert und wenn ihr mit dem Projekt etwas anfangen könnt, dann meldet euch mal.