Was bedeuten "hochschulische Autonomie" und "wissenschaftliche Freiheit" eigentlich? Was implizieren und implizierten diese Begriffe – heute, 1969 und zu Humboldts Zeiten? Welche Reformen wurden im Namen welcher Autonomie und Freiheitsverständnisse initiiert – und welche gesellschaftlichen Interessen spiegelten sie wider? Anhand dieser Fragestellungen analysiert Jens Wernicke aus historischer Makroperspektive die großen Reformen der deutschen Hochschulen vom Mittelalter bis in die Gegenwart.
Der Diskurs um und an den Universitäten dreht sich längst nicht mehr um Demokratisierung, vielmehr findet eine autoritäre Formierung statt. Die Macht konzentriert sich zunehmend in den Händen von Rektoren und Präsidien, Mitbestimmungsrechte werden geschleift. Immer wieder wird die Idee externer Hochschulräte diskutiert, die die Universitäten "managen" sollen wie der Aufsichtsrat einen Großkonzern. Dies entspricht dem Funktionswandel, dem die Universitäten durch ihre bewusste Eingliederung in einen "globalen Bildungsmarkt" unterliegen.
Überfällig ist in Anbetracht des bedrohlich fortschreitenden Verlusts gesellschaftlicher Erinnerungsfähigkeit die Neuauflage der »Geschichte der Krise an der Freien Universität Berlin«, die der AStA 1967 in zwei Auflagen herausgab. In kritischer Praxis und praktischer Kritik am etablierten Wissenschaftsbetrieb schufen sich die Studierenden mit der Kritischen Universität ihre Hochschule gemäß den eigenen Vorstellungen neu. Es zeigt sich, dass ein selbstbestimmtes Studium in einer demokratischen Universität als öffentlichem Ort machbar ist.
In der Rostlaube der b*freiten Universität Berlin prangt in stolzen Lettern das Wort "BESETZT": Vor nunmehr 15 Jahren ereignete sich im Wintersemester 1988/89 ein studentischer Aufbruch, der an der Freien Universität Berlin seinen Ausgang nahm und alsbald die Spitze einer bundes- und europaweiten studentischen Protestbewegung bildete. In Dynamik und Potentialen stellte die neue Studierendenbewegung sowohl die vorherigen studentischen Protestbewegungen seit 1968 als auch die ihr nachfolgenden in den Schatten.
Der Politologe Wolf-Dieter Narr, Jahrgang 1937, lehrte von 1971 bis 2001 am Otto-Suhr-Institut (OSI) der Freien Universität Berlin. Seine erstmalig 1987 erschienene Schrift wendet sich gegen die Phantasielosigkeit der allerorts angelaufenen hochschulpolitischen Wende, die die Universität zur »Anstalt wissenschaftlicher Prostitution« verkommen lässt. Er analysiert den Urgrund dieses desolaten Zustands und problematisiert als dessen Konsequenz das Verständnis von Autonomie der Universität und der Freiheit von Forschung und Lehre.