Dieter Lenzen ist am heutigen Donnerstag als Präsidentschaftskandidat an der Universität Hamburg aufgetreten. Nach einer dpa-Meldung ist er der einzig übrig gebliebene Kandidat und sollte heute beim Akademischen Senat in Hamburg vorsprechen. Rund 1000 Studierende besuchten die zuvor öffentlich tagende reine AS-Sitzung, die aufgrund der vielen Studierenden ins besetzte Audimax verlegt wurde. Sie forderten einen demokratischen Entscheidungsprozess und sprachen sich vehement gegen die Personalie Lenzen als neuen Präsidenten aus. Die Sitzung wurde daraufhin mit dem Hochschulrat zusammen an einen geheimen Ort verlegt, den die Studierenden jedoch schnell herausfanden. Dort protestierten sie erneut lautstark. Nach Angaben von anwesenden Studierenden habe sich Lenzen "physisch bedroht" gefühlt und sei schließlich - ohne in Erscheinung getreten zu sein - geflohen. Nach unbestätigten Meldungen wollen AS und Hochschulrat der Universität Hamburg am morgigen Freitag erneut tagen und Lenzen davon überzeugen, seine Kandidatur nicht zurückzuziehen.
Die Freie Universität wird derzeit völlig im Unklaren gelassen. Sogar die erste Vizepräsidentin behauptete in der gestrigen Sitzung des Akademischen Senats, von der Kandidatur Lenzens in Hamburg nichts zu wissen. Bei der Sitzung war Lenzen wegen einer angeblichen Erkrankung selbst nicht anwesend. Dabei hat Lenzen mit Berlin offenbar schon abgeschlossen, wie einem Bericht des Tagesspiegel zu entnehmen ist.
"Das Studierendenparlament hat eine Rücktrittsaufforderung an Lenzen als Präsidenten bereits einstimmig beschlossen, wir begrüßen seine Flucht also prinzipiell sehr. Über den Zustand der Hochschuldemokratie sind wir jedoch weiterhin tief besorgt: wenn in Hamburg die - wegen ihres autoritären Führungsstils geschasste - Ex-Präsidentin Auweter-Kurtz einfach durch eine andere neoliberale Charaktermaske ersetzt werden soll, sind analoge Prozesse für die Nachfolge Lenzens auch an der FU zu erwarten. Wir denken jedoch, dass sich Dieter Lenzen durch seinen heutigen unsichtbaren Auftritt so blamiert hat, dass er nun an beiden Hochschulen untragbar ist. Den Studierenden der Hamburger Universität sprechen wir unseren herzlichen Dank aus und wünschen ihnen für den weiteren Kampf um Mitbestimmungsrechte und Verbesserungen in der Lehre viel Erfolg! Einen öffentlichen und breit diskutierten Prozess um die Präsidentschafts-Nachfolge fordern wir für beide Universitäten nachdrücklich ein", resümiert Sebastian Schneider, Referent im AStA FU.
Allgemeiner Studierendenausschuss der FU