Die Ergebnisse überraschen nicht. Entgegen den Hoffnungen des FU Präsidiums, dass mit Einführung der neuen Abschlüsse das Studium insgesamt schneller beendet wird und weniger Studierende ihr Studium abbrechen, zeigt die Studie, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Die Abbruchquote liegt in vielen Studiengängen sogar höher als in den alten Studiengängen. Während der Rückgang der Studierendenzahlen in allen ausgewerteten Fächern vom ersten zum fünften Fachsemester im Magisterhauptfach nur durchschnittlich zehn Prozent beträgt, liegt diese Quote in den Bachelorstudiengängen mit 37 Prozent deutlich höher. Auch die BewerberInnenzahl für höhere Fachsemester ist in den Bachelorstudiengängen deutlich gesunken.
In einzelnen Studiengängen ist der Unterschied noch gravierender: In der allgemeinen und vergleichenden Literaturwissenschaft nahm die Zahl der Studierenden im Magister bis zum fünften Fachsemester durch QuereinsteigerInnen sogar noch bis auf 111 Prozent der ursprünglichen Erstsemester zu - im Bachelorstudiengang sank sie im selben Zeitraum Fachsemester auf knapp Dreiviertel der Erstsemesterzulassungen ab. Im BA Informatik brachen sogar mehr als Zweidrittel der Studierenden bis zum fünften Fachsemester ab, im Diplomstudiengang betrug der Schwund nur sieben Prozent. Die Zahl der Abbrüche hat sich hier also glatt verzehnfacht.
Der Studienerfolgsbericht kommt zu dem Ergebnis, dass eine Vereinfachung des Fachwechsels, die Aufhebung der verschulten Strukturen der Bachelorstudiengänge und die Reduzierung der Arbeitsbelastung der Studierenden nötig sind.
Der AStA FU sieht sich angesichts der vorliegenden Untersuchung in seiner konsequenten Ablehnung der europäischen Studienstrukturreform, dem so genannten Bologna-Prozess, bestätigt: bereits vor der Einführung des BA übte der AStA FU Kritik an Verschulung, Entwissenschaftlichung und Arbeitsüberlastung - also genau jene Mängel, die auch das Präsidium nun in seinem Geheimreport eingestehen muss. Die Probleme des Bachelor gehen daher über eine vorhandene schlechte Umsetzung und "Kinderkrankheiten" hinaus. Sie sind vielmehr elementare Bestandteile der gesamten Bologna-Reform.
Der AStA FU fordert daher weiterhin eine konsequente Verbesserung der Studienbedingungen mit dem Ziel eines freien und selbstbestimmten Studiums.
“Wir wollen eine breite Diskussion über eine Reform der Hochschulen, welche alle Betroffenen mit einbindet. Es ist notwendig, dass diese Diskussion an den einzelnen Fachbereichen und Instituten beginnt. Grundlage hierfür sollte nicht das schnelle Durchschleusen durch das Gebilde Lernfabrik sein, sondern die Schaffung offener, demokratischer und freier Hochschulen“, so Claudia Wrobel vom hochschulpolitischen Referat des AStA FU.
Allgemeiner Studierendenausschuss der FU
Die Studie finden Sie im Internet unter: http://www.wiki.bildung-schadet-nicht.de/images/d/d1/Studienerfolg_FU.pdf