Die Gremien der Exzellenzinitiative belohnen hier eine sehr fragwürdige Politik des FU Präsidiums. Eines der markantesten Beispiel ist die aktuelle Scharenberg Affäre. An der “graduate school of north american studies“, gefördert in der ersten Ausschreibungsrunde des Elite-Wettbewerbs, blockiert das Präsidium eigenmächtig die Berufung des Nordamerika-Spezialisten Albert Scharenberg. Er wurde von der zuständigen Fachkommission als geeignetster Bewerber für eine ausgeschriebene Juniorprofessur ausgewählt, doch das Präsidialamt setzte das Berufungsverfahren aus. Da dessen Begründungen sich als vorgeschoben herausstellten und der Eingriff eine Kompetenzüberschreitung darstellt, ist es naheliegend dass die Berufung aus politischen Gründen verhindert werden soll.
Der antidemokratische Regierungsstil offenbarte sich auch insgesamt beim Elite-Bewerbungsverfahren der FU. Während einzelne Institute und die gesamte Universität als solche, 5-Jahrespläne, plus weiterer Auslauffinanzierung, ausgearbeitet haben, ist die Öffentlichkeit davon komplett ausgeschlossen. Die ausformulierten Anträge bleiben Verschlusssache. Sie unterliegen, dies ist ein Charakteristikum ökonomischen Wettbewerbs, der Geheimhaltung, selbst die gewählten VertreterInnen im akademischen Senat, dem höchsten Gremium der Universität, erhalten keinen Einblick. Dieter Lenzen, der Präsident der FU, verweigerte sich angefragten öffentlichen Auftritten in Form von studentisch organisierten Podiumsdiskussionen. Noch nicht einmal Haushaltspläne der FU können derzeit von außen eingesehen werden. Studierenden, die sich als Teil der Universität begreifen und diese aktiv demokratisch mitgestalten möchten, befinden sich in einer Situation der vollständigen Intransparenz. Der Politikstil von nicht-öffentlich diskutierbaren (finanziellen und strukturellen) Langzeitplänen kommt in Kombination mit Minderheitenvoten Studierender in den universitären Gremien dem System einer Diktatur am nächsten.
Studentische Belange erfahren in diesem System ausschließlich Nachteile. Favorisierte ProfesorInnen werden nicht berufen, Institute werden zusammengelegt oder geschlossen, studentische Initiativen müssen ihre Räume abgeben, Bibliotheken, wie etwa die philosophische und noch über 100 andere werden geschlossen bzw. zentralistisch zusammengelegt. Insgesamt über 50% der BA-Studierenden haben ihr Studium bislang abgebrochen, vor allem wegen der fehlenden Möglichkeit zum Fachwechsel. Auf der anderen Seite wird Geld für Prunkbauten wie der philologischen Bibliothek herausgeschleudert, ein Public-Private-Partnership mit dem Klett-Verlag im ehemaligen Ethnologen-Bau eingerichtet sowie ein Luxushotel hochgezogen. Diese Zustände wurden nun durch das Prädikat “Eliteuniversität“ ausgezeichnet.
“Für Studierende, deren Anliegen unter anderem verbesserte Lehrsituationen sind, bedeutet der Wettbewerb, dass innerhalb des ohnehin schrumpfenden verfügbaren Etats eine Umverteilung stattfindet. Gelder werden in die Forschung fließen und im Bereich der Lehre wird noch mehr fehlen als ohnehin schon. Dies ist untragbar.“, erklärte Till Ermisch, Referent für Hochschulpolitik vom AStA FU Berlin.
Während sowohl im Bildungsbereich allgemein, sowie in Berlin im Besonderen leere Kassen als Wurzel des Problems unterfinanzierter Hochschulen beschworen werden, wird diese Entwicklung durch die Exzellenzinitiative eher noch verschärft. Denn ein Viertel der zugesprochenen Eliteförderung muss das Bundesland selbst tragen. Dies wird auch Auswirkungen auf die übrigen berliner Hochschulen haben. Das Geld wird voraussichtlich aus dem gemeinschaftlichen Etat für „Bildungswesen, Wissenschaft, Forschung, kulturelle Angelegenheiten“ und in diesem Falle der Untergruppe „Hochschulen“ stammen. In dieser Gruppe werden im Vergleich von 2006 auf 2007 Gelder in Höhe von 22 550 000 Euro gestrichen (siehe Haushaltsplan von Berlin für die Haushaltsjahre 2006/2007).
Weitere Informationen:
Zu der Scharenberg Affäre: http://www.astafu.de/aktuelles/archiv/a_2007/presse_09-13 http://www.freie-bildung-berlin.de/?p=228
Zu den Studienbedingungen an der FU http://www.freie-bildung-berlin.de/?p=231 http://www.astafu.de/aktuelles/archiv/a_2007/news_10-17
Allgemeiner Studierendenausschuss der FU