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In einer Woche beginnt das Wintersemester, in drei Wochen die ersten Vorlesungen – und dennoch wissen viele StudienbewerberInnen der FU Berlin immer noch nicht, ob sie einen der begehrten Plätze erhalten haben. Während die meisten deutschen Universitäten schon längst ihre Ab- oder Zusagen verteilt haben, vertröstet die FU ihre BewerberInnen auf „Ende September“. Viele sind bis heute ohne jede Nachricht von der FU, langsam liegen die Nerven blank.

Die genaue Anzahl der unerledigten Bewerbungen ist unbekannt, jedoch häufen sich vor allem in der Hochschulberatung des AStA in den letzten Wochen die Anfragen verunsicherter AbiturientInnen: Bin ich genommen oder nicht? Was mache ich im Falle einer Ablehnung? Soll ich einen anderen Studienplatz annehmen? Warum passiert nichts?

Ralf Hoffrogge, Hochschulberater im AStA FU, bemerkt dazu:

„Die Situation der Studienbewerberinnen und -bewerber ist mehr als unangenehm. Erst „Ende September“- so vertröstet die Uni am Telefon - sollen sie Nachricht erhalten. Wie die Leute dann noch rechtzeitig bis zum Vorlesungsbeginn eine Wohnung finden und den Umzug organisieren sollen, ist mir völlig schleierhaft. Viele werden der FU den Rücken kehren und sich anderswo einschreiben.“

Für die nicht zum Zuge gekommenen BewerberInnen ist eine fehlende Absage unter Umständen folgenreich: wollen sie sich auf einen Studienplatz „einklagen“, müssen sie bis zum 30.9. das entsprechende Verfahren eingeleitet haben. Sollte nun die FU ihre Absagen bis in den Oktober hineinzögern, wäre das nicht mehr möglich. Die Hochschulberatung rät daher, im Notfall auch ohne Absage vor dem 30.9. aktiv zu werden – für Fragen zum Thema sollten BewerberInnen eine Mail an die Hochschulberatung senden oder sich während der Sprechzeiten im AStA (Di 11-16h) beraten lassen.

UPDATE: auch nach dem 30.09.2007 ist es möglich gegen einen Ablehnungsbescheid zu klagen. AStA FU 08.10.2007: Einklagen an FU immer noch möglich!

Die Ursachen des verzögerten Verfahrens an der FU liegen zum einen wohl am Anstieg der Bewerbungen im studiengebührenfreien Berlin, andererseits wohl auch an einer Umstellung des Zulassungsverfahrens an der FU. So wurden etwa im letzten Jahr die Nebenfächer, auch „Modulangebote“ genannt noch zugeteilt, wenn der NC einer Bewerberin etwa nur fürs Hauptfach, aber nicht fürs Nebenfach reichte. Im Zweifelsfall bekamen im letzten Jahr viele Studierende ein völlig willkürliches Nebenfach, für das sie sich gar nicht beworben hatten. Diese von Studierenden und AStA kritisierte Praxis wurde laut Zulassungsbüro mittlerweile eingestellt. Stattdessen werden in diesem Jahr solange Nachrückverfahren durchgeführt, bis alle Bewerberinnen, die den NC im Kernfach geschafft haben, entweder auch im Nebenfach einen Platz erhalten – oder eben ganz abgelehnt werden. Denn eine vorläufige Einschreibung ohne Nebenfach, wie in den Magisterstudiengängen lange Zeit Praxis, ist nicht mehr möglich. Hier ist wieder zu sehen, wie durch unnötig restriktive Regeln bei der BA-Umstellung zusätzliche Probleme geschaffen werden.

Statt willkürlicher Zuteilung ist also in diesem Jahr warten bis zur letzten Minute angesagt. Beide Verfahren sind mehr als suboptimal und nicht im Interesse der Studierenden. Das Problem liegt jedoch nicht wirklich im FU-Zulassungsbüro - nur eine grundsätzliche Verbesserung der Rahmenbedingungen kann hier Abhilfe schaffen. Es muss in Berlin endlich Ernst gemacht werden mit der vom Senat versprochenen Schaffung neuer Studienplätze. Auch Bundesweit sollten Bildungsinvestitionen für neue Studienplätze eingesetzt werden, anstatt für elitäre „Leuchttürme“ die hauptsächlich der Forschung dienen, aber in keinster Weise die Überfüllung der Unis mildern. Im Gegenteil: durch die sogenannte Spitzenförderung werden Mittel gebunden, die in der Breite dringend benötigt würden.

Letztendlich ist das hoffnungslos verzögerte Zulassungsverfahren an der FU nur ein Symptom dafür, wie derzeit auf dem Rücken der Studienbewerber und Bewerberinnen eine künstliche Verknappung von Bildung inszeniert wird. Statt Elitenbildung ist ein Umdenken hin zur „Bildung für alle“ notwendig!

Allgemeiner Studierendenausschuss der FU

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Datum: 24. September 2007, last update: Oct 8, 2007 1:47 pm