Mit der Bacheloreinführung wird alles einfacher – so versprach man es den Leuten noch vor fünf Jahren. Heute offenbart sich ein Ärgernis nach dem anderen, die neueste Komplikation an der FU heißt „Modulangebotswechsel“. Modulangebote sind das, was früher einmal die Nebenfächer bzw die Zweitfächer waren. Die unmögliche Sprache deutet bereits an, dass hier einiges an Ungemach lauert.
Denn im Gegensatz zum alten Nebenfach darf in den neuen Kombi-Bachelorstudiengängen nicht mehr mit einer unvollständigen Kombination angefangen werden. Gab es im Magister noch die Möglichkeit, sich fürs Hauptfach einzuschreiben und die Nebenfächer innerhalb von zwei Semestern zusammenzustellen, muss jetzt schon beim Einstieg alles vorhanden sein. Da jedoch alle Modulangebote mit NC versehen sind, bekommt nicht jede/jeder ihre/seine Wunschkombination. Um überhaupt anfangen zu können, nahmen daher viele Studierende in den letzten Semestern eine „Zuteilung“ ihres Modulangebots in Kauf. Insbesondere Mathe, aber auch Theologie, Griechisch oder Russisch wurde vielen Leuten verpasst, die dies mit der Hoffnung auf einen Studienfachwechsel zunächst auch hinnahmen.
Doch die FU will keine StudienfachwechslerInnen, eine Anzahl von unsinnigen Regeln erschwert diesen Prozess. Durch die Modularisierung der Studiengänge etwa kann ein Modulangebot nur noch in geraden Semestern neu anfangengefangen werden – also zum Winter. Gleichzeitig erlaubt die FU einen Studienfachwechsel nur bis zu Beginn des dritten Semesters, danach ist ein Wechsel seltsamerweise nur erlaubt, wenn gleichzeitig das Kernfach gewechselt wird. Zusätzlich gibt es eine weitere Vorschrift, die besagt, dass zwischen Kernfach und Modulangeboten nur zwei Semester Abstand sein dürfen – wiederum eine absolute Hürde für viele Wechselwillige.
Die Folgen sind drastisch: eine ganze Reihe von Bachelorstudierenden kommt jetzt ins dritte Semester, ihre letzte Wechselmöglichkeit ist ausgeschöpft, das ungeliebte Mathestudium ist für viele geisteswissenschaftlich orientierte Studis einfach nicht zu schaffen – die Mathemodule sind schon für Physiker und andere geneigte schwer genug. Laut FU-Regeln müssten sie nun also ihr Kernfach - oft ihr Lieblings und Neigungsfach, hinschmeißen, um an der FU zu bleiben – was natürlich ein Unding ist.
Gab es im Chaos der vergangenen Semester hin und wieder Ausnahmen, Umschreibungen und Sonderregelungen, so sieht es nun so aus, als wolle die FU auf ihren Regeln beharren. Für all jene, die auf einem für sie nicht machbaren Fach hängengeblieben sind bedeutet dies: Studienabbruch oder Hochschulwechsel. Genau jene Regeln, die eigentlich ein „zügiges Studium“ ermöglichen sollten, erweisen sich nun als dessen größtes Hindernis.
Um noch einmal klar zu machen: es geht hier nicht darum, dass unwillige Studierende auf ihrem Lieblingsfach bestehen (obwohl auch das ihr gutes Recht wäre!). Es geht darum, dass Leuten Studienfächer zugeteilt wurden, die für sie schlichtweg nicht zu schaffen sind. Das „Aussieben“ per Klausur in den Mathevorlesungen ist legendär, und auch die harten Sprachanforderungen in anderen zugeteilten Fächern (Russisch, Griechisch, Lateinische Philologie...) sind für viele schlicht nicht zu schaffen.
Insbesondere katastrophal ist dies für Lehramtsstudierende – selbst wenn sie sich mit großen Anstrengungen durch ein verhasstes Fach quälen würden, wären sie dieses nach dem Abschluss nicht los. Stattdessen dürften sie in den Master weiterhecheln und dass gehaßte Fach ihr ganzes Berufsleben durch unterrichten – ob das dem Bildungssystem gut tut, sei dahingestellt.
Wahrscheinlicher ist für viele jedoch der Hochschulwechsel oder Studienabbruch – sollte an der FU weiterhin jede zuständige Stelle von den Prüfungsbüros bis zum Immatrikulationsamt auf den unsinnigen Regeln beharren.
Nötig wären stattdessen eine Aussetzung aller Beschränkungen zum Wechsel, studierbare Alternativangebote sowie eine größtmögliche Kulanz gegenüber QuereinsteigerInnen.
Wer von dem Problem betroffen ist, kann sich in der FU Hochschulberatung melden, es wird demnächst eine Initiative ins Leben gerufen, um diese Forderungen zu vertreten. Wenn genug Leute Mitmachen und ihre Interessen durchsetzen, kann an dieser Stelle vielleicht etwas erreicht werden.
Kontakt zur Hochschulberatung:
http://www.astafu.de/service/beratungen/hochschul
Update 18.Oktober 2007: Mittlerweile sind erste Zahlen über die Abbruchquoten in den neuen Bachelorstudiengängen durchgesickert. Ein bisher noch geheim gehaltener Bericht des Präsidiums zum Thema muss zugeben, dass die Anzahl der Studienabbrüche in den BA-Studiengängen deutlich höher liegt als in den alten Magistern!
Einen lesenswerten Artikel dazu könnt ihr auf dem Blog der Fachschafsinitiativen nachlesen:
http://fachschaftsinitiativen.wordpress.com/2007/10/18/alles-wird-besser/