Pasternack war in den 17 Monaten seiner Amtszeit als Staatssekretär an Erfolgen in der Wissenschaftspolitik maßgeblich beteiligt: Die Stärkung des Politischen Mandats der Studierenden, ein höherer Anteil von Frauen bei Berufungen, die Einführung von Juniorprofessuren und die Rettung des Studentendorfs Schlachtensee sind einige Resultate seines Wirkens.
Mit Peer Pasternack geht ein Staatssekretär, der wie kaum ein anderer bemüht war, politische Kultur in einer Stadt der politischen Konfrontation umzusetzen. Sein Politikstil ist von Dialog und Interessenausgleich geprägt: Mehrmals diskutierte Pasternack ausgiebig auf der Berliner Landesastenkonferenz mit Studierendenvertretern der Berliner Hochschulen über Vorstellungen und Vorhaben des Senats und die Anliegen der Studierenden. Beinahe das erste Mal seit 20 Jahren machten Studierende die Erfahrung, von Vertretern des Berliner Senats in ihren Anliegen ernst genommen und als gleichberechtigte Partner behandelt zu werden. Zurück bleibt der Eindruck, die Chancen und Potentiale eines Dialogs mit Pasternack für studentische Politik in Berlin dennoch nicht ausgiebig genug genutzt zu haben.
Peer Pasternack hatte selber lange Jahre als Studierendenvertreter gewirkt. Als Student der Philosophie war er 1989 am Aufbau des Leibziger Studentenrates beteiligt. In der gesamten DDR entstanden damals neue unabhängige, rätedemokratisch organisierte Studentenräte (StuRä). Sie entstanden in Abgrenzung zur FDJ, aber auch in Abgrenzung zur politischen Organisation der Studierenden in der BRD innerhalb verschiedener Strömungen. Die Studentenräte organisierten sich in einem Republiksprecherrat und gründeten im April 1990 die 'Konferenz der Studentenschaften' (KdS) als ostdeutschen Studierendenverband, als dessen Sprecher Pasternack wirkte. Den Studentenräten wurde im Zuge der Angleichung an die Weststandards die westdeutsche parlamentarische Struktur übergestülpt und ihre errungenen Mitbestimmungsrechte eingeschränkt. Seit 1991 war Peer Pasternack Herausgeber der Zeitschrift 'Hochschule Ost'. Das Studium finanzierte er sich als Kraftfahrer. 1998 promovierte Pasternak über die demokratische Erneuerung der ostdeutschen Hochschulen. Vor seiner Tätigkeit als Berliner Wissenschaftsstaatssekretär arbeitete Pasternack von 1996-2002 am Institut für Hochschulforschung in Halle, wohin er nun zurückkehren wird.
Mit Peer Pasternack geht – um einen vom scheidenden FU-Präsidenten Gaehtgens inflationär gebrauchten Begriff zu verwenden – einer der ‚besten Köpfe’. Pasternack stand für den Anspruch eines nicht nur in der Wissenschaftspolitik erforderlichen Politikwechsels. Der AStA der Freien Universität bedauert den in Anbetracht der Berliner Realitäten letztlich konsequenten Schritt von Peer Pasternack. Mit seinem Rücktritt ist Berlin weiter denn je von einer ursächlichen Lösung der die Stadt beherrschenden Krise entfernt, in die die Hochschulen mehr und mehr hineingezogen werden. Einer Einführung von Studiengebühren als einem Ausdruck einer Politik der Selbstbereicherung weniger und der wahllosen Kürzungen bei vielen steht jetzt nur noch die Selbstorganisation der Betroffenen innerhalb eines Bündnisses gegen Bildungs- und Sozialabbau entgegen.
Allgemeiner Studierendenausschuss (AStA) der FU Berlin